Rabenvieh – Marie Anhofer

Ich habe mal wieder Lesestoff geschickt bekommen. Zwei Bücher von einer Autorin. Marie Anhofer. Als erstes habe ich mir Rabenvieh zur Hand genommen. Da es dabei um ihre Kindheit geht, dachte ich, ich fange damit an.

Ich habe schon ein paar heftige autobiographische Romane gelesen. Doch ein Roman aus Österreich, besser gesagt Graz, ist noch mal eine ganz eine eigene Sache. Das so etwas im eigenen Land passieren kann und passierte, schockiert mich dann noch einen Tick mehr. Dabei weiß man bereits, dass solche Dinge passieren. Immer wieder liest man in den Nachrichten davon. Leider!

Doch Nachrichten sind die eine Sache. Zu lesen was jemand fühlte und dachte, der es er- und vor allem überlebt hat, ist nochmal ganz was anderes. Eigentlich ein Wahnsinn was wir Menschen aushalten können und teilweise auch müssen!

Kinder sind doch hilflose Wesen, die man unterstützen sollte. Man sollte sie lieben, hegen und pflegen. Ihnen einen guten Weg für ihr Leben aufzeigen. Sie anleiten und unterstützen. Tja, das dachte sich Marie auch, doch wuchs sie doch ganz anders auf. Als echtes Aschenputtel in der Pflegefamilie. Psychische und physische Misshandlungen statt Liebe und Wärme.

Ich verstehe solche Menschen einfach nicht. Warum nimmt man sich ein Pflegekind, wenn man es doch nicht will und nur misshandelt? Schon klar, wahrscheinlich wegen des lieben Geldes. Möglicherweise auch um sich die Anschaffung eines Sandsackes zu ersparen? Was geht nur in solchen Menschen vor? Und natürlich hat niemand etwas mitbekommen. Wie denn auch? Wegen der blauen Flecken? Der Schmerzensschreie? Und wieso sollte man auch einem Kind glauben, wenn es sich überwindet und Erwachsene um Hilfe bittet? Wäre ja vielleicht mit Ärger und Arbeit verbunden!

Ja, im Wegschauen sind wir Menschen immer schon gut gewesen. Sich nur ja nicht einmischen. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich auch so erzogen worden. Was die Nachbarn machen, geht uns nichts an. Wobei ich wirklich nie etwas mitbekommen hätte, wo ich das Gefühl hatte, dass ein Kind misshandelt wird. Ich denke, da hätte ich sowieso nicht an mir halten können.

Marie bekam keine Hilfe. Sie musste ihre Zeit bis zur Volljährigkeit durchhalten. Wie sie das geschafft hat und wie sie es geschafft hat, danach noch so gesund zu sein ein Buch zu schreiben, ist mir schleierhaft. Ich war immer stolz auf mich, was ich aus mir gemacht habe, doch ich glaube ihr Schicksal hätte ich nicht geschafft. Alleine wenn sie beschreibt, welche körperlichen Schmerzen ihr zugefügt worden sind, bekomme ich Beklemmungsgefühle. Den Teil mit den psychischen Misshandlungen kann ich zumindest in ganz leichten Ansätzen nachvollziehen. Das Gefühl nicht geliebt zu werden und die Schuld bei sich selbst zu suchen, kenne ich zur Genüge. Dadurch wird auch klar, wieso sie ihre Pflegemutter auch noch nach ihrem Auszug manipulieren konnte. Also ich kann es verstehen. Auch wenn man als Ausstehender leicht sagen kann, das war ja offensichtlich. Doch wenn man in der Situation drinnen steckt, ist es nicht so einfach.

Im zweiten Buch hat mir Marie eine Widmung hinterlassen die in diesem Zusammenhang auch gut passt „Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden“ (Sören Kirgegard). Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung. Im Nachhinein wird vieles klarer. Das hilft einem nur in dem Moment der Qual nichts.

Marie hat überlebt. Sie hat es geschafft sich ein Leben aufzubauen. Sie ist nicht daran zugrunde gegangen. Sie hat gekämpft und kämpft immer noch. Ja, manche Wunden verheilen nie, doch ich hoffe das Buch zu schreiben hat ihr geholfen, ihren Schmerz in die Welt zu schreien, damit sie nicht daran erstickt. Und ich hoffe das Buch bewirkt was sie sich wünscht. Das Menschen es lesen und aufhören wegzusehen, damit nicht noch mehr hilflose Kinder gequält und misshandelt werden. Und ich hoffe, dass ihr weitere Schicksalsschläge erspart bleiben und für sie eine glückliche Zukunft bevorsteht!

ISBN 978-3-8495-7300-3

© Libellchen, 2016

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