Der heisse Blau-Auge

Mein zweiter Urlaubstag führte mich in den Beauty-salon. Ein Friseurtermin war schon längst überfällig! Auf dem Weg dorthin kam ich bei einem Verkaufsstand vorbei, wo mich ein David-Garrett-Verschnitt anquatschte. Er wollte mir was verkaufen, allerdings vergaß er gleich mal sein Vorhaben als er mir in die Augen blickte. 3 Mal stolperte er über seinen Text, jedes Mal wenn er mich direkt ansah und ich seinen Blick ganz offen erwiderte. So konnte ich mich dann auch ganz geschickt aus den „Verkäuferarmen“ loslösen. Sollte das ein Verkaufstrick von ihm sein, ist er nicht so ganz erfolgreich damit. Ich will da viel lieber daran glauben, dass ihn meine wunderschönen Augen wirklich total verwirrt haben.

Mir zauberte das kurze Intermezzo auf jeden Fall ein Lächeln ins Gesicht und ich flog förmlich in den Beauty-Salon – zu den Ungarn. Der Shop ist ja eine Niederlassung einer ungarischen Kette und es arbeiten dort auch nur Ungarn. Was mir noch nicht erwähnenswert erschien, aber für Eindruck als Ganzes wichtig ist. Erstens sind die Ungarn netter als die Wiener. Die schauen einem in die Augen, geben einem die Hand und stellen sich vor. Dabei sprechen sie natürlich einwandfreies Deutsch, was gerade bei der Wunschäußerung wichtig ist.

Alles in allem war ich total zufrieden. Ich wurde gefragt was ich will und bekam das auch. Ich konnte mir die Farbe aussuchen und bekam sie auch. Ich sagte an was für einen Schnitt ich will und bekam ihn auch. Und was ich persönlich total positiv empfand war, dass gleich mal ein paar Zentimeter Haare abgeschnitten wurden, bevor gefärbt wurde! Alle österreichischen Friseure haben immer die komplette Länge gefärbt und danach 10 Zentimeter abgeschnitten. Die Ungarn schneiden gleich mal 7 Zentimeter ab, färben dann und machen danach erst den letzten Schnitt. Was ich persönlich nicht nur besser verstehe, sondern auch ressourcenschonender finde!

Das einzige was mich verwirrte war die eigentlich total sinnvolle Arbeitsteilung. Bei den Ungarn gibt es Kopfwäscher. Ich bekam also meine Farbe in die Haare und angesagt wie lange ich habe bis zum Haare waschen – eigentlich hätte ich mich selbstständig gleich zu den Haarwäschern begeben können, doch das wusste ich nicht. Also wartete ich. Meine Friseurin schickte mich dann zeitgerecht zur Kollegin. In Zukunft kenn ich mich aus und gehe gleich selber. Abgeholt hat mich dann meine Friseurin und ich wurde fertig gemacht. Als alles erledigt war, fragte sie mich noch ob ich noch was wolle. Ich entschied mich für eine Maniküre. Auch dort wurde ich wieder mit Handschlag begrüßt und professionell abgearbeitet.

Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Es ist zwar teurer als wenn ich nach Ungarn fahre, aber dafür sind sie vor der Haustüre und ich bin immer noch billiger als wenn ich bei meiner Friseurin im Ort mir die Haare machen lasse. Und dabei sind die Ungarn total freundlich und lächeln auch extrem viel. Das einzig anstrengende – woran ich mich aber gewöhnen kann – wenn sie nicht mit den Kunden reden, reden sie ungarisch. Man versteht also nicht viel was um einen herum geschieht. Schwierig wird es nur dann, wenn sie zwischen einem ungarischen Wortschwall – die Ungarn reden sehr viel, sehr schnell – plötzlich ins Deutsche wechseln und einen was fragen. Zur Not wiederholen sie die Frage aber einfach – ohne dabei ungehalten zu wirken.

Ich muss sagen man kann von den Ungarn halten was man will, was kundenorientiertes Service bedeutet können sich die Österreicher bei ihnen einiges abschneiden!

© Libellchen, 2015

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