Sucht VII – Arbeitssucht

Ich habe keine Ahnung wie weit verbreitet die Sucht nach Arbeit wirklich ist, doch geben tut sie diese Sucht auf jeden Fall. Als ich noch jünger war, habe ich die Ansätze selbst gelebt und ich kenne genug Menschen, die sich exzessiv in ihre Arbeit stürzen. Bis an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit, Burn-Out inklusive.

Wenn die Arbeit krank macht, man aber trotzdem nicht davon lassen kann, ist es nicht immer nur eine finanzielle Sache. Natürlich kann sich nicht jeder seinen Job aussuchen. Manche müssen an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit gehen, doch es gibt auch genug, die das ohne MUSS tun.

Diese Workaholics ordnen dem Job alles andere unter. Ich hab mal eine Beziehung dadurch in den Sand gesetzt. Mein Partner wollte dass ich kürzer trete, doch ich fand meine Selbstbestätigung im Job und konnte es einfach nicht lassen. Und so war die Beziehung definitiv zum Scheitern verurteilt. Typisches Suchtverhalten. Wenn die Sucht wichtiger wird als das soziale Umfeld, dann sollten echt mal alle Alarmglocken schrillen!

Ich habe einen ganz lieben Kollegen, dem ich jetzt schon seit 5 Jahren zuschaue, wie er immer mehr Richtung Burn-Out bewegt. Eine Lungenentzündung jagt die andere und er kann es trotzdem nicht lassen. Jedes Mal nach einem Krankenstand kommt er mit dem Vorsatz zurück „Jetzt werde ich aber wirklich kürzer treten!“ Dieser Vorsatz hält in der Regel 2 Tage vor, danach ist wieder alles beim alten und nach 2 Monaten spielt dann sein Körper wieder mal nicht mit.

Ich habe eine Vermutung warum er so viel arbeitet, ich habe ihm das auch gesagt. Ich habe ihm auch gesagt, dass sein Körper ihm was sagen will. Mittlerweile sieht er das auch. Aber er kann nichts an seinem Verhalten ändern. Mehr als Minischritte, die nach spätestens einer Woche wieder vergessen sind, sind einfach nicht möglich.

Natürlich sieht er darin keine Sucht. Doch wo ist der Unterschied zu einem Raucher? Er redet sich ein dass er jederzeit aufhören kann – was nicht stimmt. Er geht davon aus dass sein Verhalten ganz normal ist – was nicht stimmt. Sein ganzes privates Leben wird der Arbeit (Sucht) untergeordnet. Die Erfüllung der Arbeit (Befriedigung der Sucht) geht vor körperlicher Schonung.

Doch er ist nicht der einzige den ich kenne, der über das normale Maß hinaus arbeitet. Da gibt es noch den/die ein oder andere(n)! Natürlich ist es in der heutigen Zeit nicht leicht die richtige Balance zu finden. Der Druck auf die Arbeitnehmer kann riesig sein. Doch eine ausgewogene Work-Life-Balance ist wirklich wichtig. Vor allem bei schon älteren Arbeitnehmern, sollte auch der Körper nicht zu kurz kommen! Wir werden schließlich alle nicht jünger und ein Arbeitspensum dass ich mit 20 locker gestemmt habe, macht mich heute nur mehr müde!

Wenn ich mir die letzten Beiträge so anschaue, muss ich sagen, damit hatte ich zu Beginn nicht gerechnet! Mir war gar nicht klar gewesen mit wie vielen Süchten ich in meinem Leben schon zu tun hatte, bzw. immer noch zu tun habe. Natürlich sind das bei weitem noch nicht alle Möglichkeiten wonach man süchtig sein kann. Ein Kollege ist zum Beispiel nach Sport süchtig und meine Bücher- und Schokisucht wollte ich auch nicht einzeln auflisten. Hab ich noch was Wichtiges vergessen? Wenn euch noch etwas fehlt, einfach Bescheid sagen!

© Libellchen, 2015

2 Kommentare zu “Sucht VII – Arbeitssucht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s