Sucht I – Alkohol

Wie gesagt Volkskrankheit Nummer 1 in Österreich. Warum das so ist, ist leicht erklärt. Alkohol ist anerkannt in unserem kleinen feinen Land. Ich habe in letzter Zeit viel mit Menschen über Alkoholkrankheit gesprochen. Auslöser war natürlich J. So nah an einem richtigen Alkoholiker dran, war ich schon lange nicht. Ich war direkt betroffen, als er einfach verschwunden war und ich habe zuvor auch noch nie mitbekommen, dass jemand gleich direkt in die Entzugsklinik geht. Wir haben dann überlegt, ob es für einen Alkoholiker in Österreich leicht ist, seine Sucht zu besiegen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sauschwer ist.

Alkohol ist überall. Bei der Grillfeier wird das Fleisch mit Bier übergossen. Der Kuchen wird mit Rum gebacken. Im Eisgeschäft gibt es leckere Eissorten mit Amaretto. Sogar Joghurt mit Alkohol stehen im Supermarkt im Regal. Vom Alkohol in reinster Form, den es fast überall zu kaufen gibt, will ich erst gar nicht anfangen. Tankstellen haben rund um die Uhr, 7 Tage die Woche geöffnet und verkaufen Alkohol. Ein Alkoholiker braucht sich also überhaupt nicht anstrengen um Nachschub für seine Sucht zu bekommen. Anders betrachtet, lauert an jeder Ecke eine Versuchung für einen trockenen Alkoholiker.

Doch wie wird man eigentlich Alkoholiker? Ich schätze da gibt es mehrere Wege. Aber mal abgesehen von einer großen Lebenskrise oder Enttäuschung, was die Leute zur Flasche greifen lässt, ist es einfach auch die Gesellschaft. Als ich jung war, haben wir Party gefeiert. Jedes Wochenende, 2 Tage. Dabei wurde Alkohol konsumiert. Sehr viel Alkohol! Das war ganz normal. Niemand dachte sich etwas dabei, wenn wir jedes Wochenende, 2 Tage betrunken nach Hause taumelten. Es war ganz normal. Weil es alle taten! Jeder trank Alkohol – zumindest jeder, der unterwegs war. Schätze es gab auch genug, die einen anderen Weg gewählt hatten, doch die waren nicht fort! Noch nicht mal die Autofahrer waren damals nüchtern. Wenn wir Glück hatten, waren sie nicht so betrunken wie wir Beifahrer, doch immer war das nicht Fall….

Das wir damals alle überlebt hatten, war pures Glück. Noch nicht mal der Unfall vom coolsten Typen im Ort, wo er betrunken mit dem Auto fuhr und seinem Freund dabei den Arm brach, weckte uns auf. Er war im Gefängnis. Na und? Er war eh Freigänger und konnte danach immer noch an 50 Prozent der Partys teilnehmen. Wir mussten halt nur ein wenig früher am Tag anfangen…. Wobei er etwas daraus gelernt hatte. Er fuhr nie wieder betrunken. Auch nicht mit einem Betrunken mit. Doch er war der einzige.

Mein Alkoholkonsum verflachte sich ein wenig, als ich zum Arbeiten anfing und am Montagmorgen wieder geistig fit sein musste. Doch getrunken habe ich weiterhin am Wochenende. Halt ein wenig weniger… Ans Aufhören dachte ich damals nie! Wochenende war Partytime. Partytime = Alkohol! Das ging bis zum Ex. Während der Beziehung trank ich fast nichts. Wenn ich bei ihm war, gab es keinen Alkohol, nur wenn ich zu Hause war, machten wir Party. Wobei ich damals nicht mehr so lange in den Lokalen rumgammelte und auch viel weniger vertrug.

Dann kam das Ende vom Ex und ich fiel in eine depressive Phase und begann täglich zu trinken. Ich versuchte mein Leid in Alkohol zu ertränken. Und dabei versuchte ich die vorwurfsvollen Blicke von Aretha – mit der ich mir damals die Wohnung teilte – zu ignorieren. Also versuchte ich es vor ihr zu verbergen. Der Alkohol landete im Kaffeehäferl – dass sie ihn natürlich trotzdem riechen konnte, hatte ich damals nicht bedacht. Und sie und ihr vorwurfsvoller Blick waren immer da. Und trotz all meines Leides und meines Alkoholkonsums merkte ich doch, dass etwas nicht stimmen konnte, wenn ich meinen Konsum vor meiner Mitbewohnerin verbergen muss. Damals bekam ich Angst.

Was wenn ich nicht aufhören kann?

Ich konnte und trank dann ein halbes Jahr gar nichts mehr. Seitdem weiß ich, dass ich kein Problem mit Alkoholsucht habe. Seitdem gönne ich mir hin und wieder einen Rausch mit meiner Stiefmutter – mit Sekt – den ich dann wieder ein paar Monate bereue. Aber ich mache mir um mich keine Sorgen. Ich habe kein Problem. Ich weiß heute, dass ich jederzeit den Alkohol komplett weglassen kann. Vor allem weil mir auch leid ist um die Kalorien die ich vertrinke und somit nicht essen kann!

Was ist mit dir? Kannst du deinen Alkoholkonsum einschränken, oder trinkst du sowieso nichts?

© Libellchen, 2015

8 Kommentare zu “Sucht I – Alkohol

  1. Ich trinke nichts. Nicht aus Überzeugung, sondern einfach weil ich 1. den stechendem Geschmack vom Alkohol nicht mag und aus jedem Getränk rausschmecke und weil ich Alkohol 2. nicht so gut vertrage wie andere. Bis ich angetrunken bin, braucht es nicht viel. Bis zum Erbrechen ist es dann bei mir auch nicht mehr weit. Einmal ist das passiert. Damals, vor ziemlich genau 11 Jahren. Seitdem bin ich „clean“. 😉

  2. Ich trinke gerne und auch häufig Wein. Gibt es keinen Wein, trinke ich gar nicht, weil ich es nicht mag. Wenn es mir schlecht geht, trinke ich nicht, weil es dann noch schlimmer wird (das war früher anders, ich habe aber meine Lektion gelernt). Also ja, ich trinke wohl zu häufig, weil ich es so gerne mag (und ja, auch das Gefühl), aber ich trinke sehr selektiv. Wie ist das zu bewerten? 🙂

    • Ich denke das ist in unseren Breitengraden als normal zu bewerten ;-). So lange du selektiv drinkst und nicht nach einem gewissen Schema – z.B. jedes Wochenende – hast du sicher kein Problem. Aber wenn du es genau wissen willst, versuch mal ein Monat ganz ohne. Ist das kein Problem, dann kannst du ruhig weiter machen damit. So lange der Wein ein Genussmittel bleibt, ist alles in Ordnung! 😉 LG

      • Tatsächlich habe ich da schon öfter drüber nachgedacht und nehme deinen Post nun als Vorhaben für Mai. Es werden allerdings nur drei Wochen – da gibts tatsächlich eine Veranstaltung, an deren Ende ich sehr gerne einen Wein genießen würde 😉

        • Find ich toll von dir! Und wenn du die 3 Wochen ganz ohne Wein und Probleme durch hast, kannst du deinen Wein auf dem Fest so richtig genießen! Wünsch dir eine schönen Mai! LG

          • Ich bin nun am Ende der 2. Woche. Es ist sehr interessant! Wie gesagt, ich habe in letzter Zeit häufiger und regelmäßig getrunken. Jetzt ohne Alkohol geht es mir weder besser noch schlechter als mit 🙂 Ich bin lediglich früher im Bett (v.a. Am Wochenende) und schlafe tiefer. Ich hätte schon gerne zwischendurch einen Wein, aber grundsätzlich fällt mir die Abstinenz leicht. Das macht mich ein bisschen froh 😉

          • Das freut mich echt für dich! Herauszufinden dass man auch ohne kann, kann schon was! 🙂 Wünsch dir noch viel Erfolgt mit deinem Experiment! LG

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