Umdenken

Im zweiten Halbjahr des letzten Jahres, hat bei mir ein Umdenken bezüglich Geld stattgefunden. Meine Einstellung zu Guthaben/Schulden hat sich total verändert. Und dadurch auch mein ganzes finanzielles Verhalten.

Meine Großeltern – bei denen ich ja aufgewachsen bin – sind in der Zwischenkriegszeit geboren worden und haben den zweiten Weltkrieg und den Wiederaufbau danach voll mitbekommen. Dazu kam, dass mein Großvater immer wieder mal monatelang im Ausland unterwegs war und seinem Hobby nachging und meine Großmutter, von ihrem Gehalt als Schichtarbeiterin, 3 Kinder versorgen musste. Und sie schaffte es. Man kann über meine Großmutter sagen was man will, aber mit Geld umgehen kann sie definitiv. Und das hat sie meiner Mutter und mir vererbt. Auch wir können noch mit „nichts“ überleben.

Als ich zu arbeiten angefangen habe, hatte ich gerade mal genug Geld um mir ein Dach über dem Kopf zu leisten. Ich hatte damals auch einen Kredit aufnehmen müssen, um mir die Ablöse leisten zu können, für eine alte, verschlissene Einrichtung. Den Kredit stotterte ich langsam ab, was aber natürlich meinen Spielraum noch zusätzlich begrenzte. Und trotzdem sparte ich wie eine Verrückte und konnte mir so nach 2 Jahren arbeiten, ein gebrauchtes Auto leisten. Das Auto brachte natürlich auch wieder Mehrkosten und so wurde es immer enger. Doch ich sparte trotzdem weiter.

Als ich nach 5 Jahren die erste Firma verlassen musste, bekam ich meine Abfertigung ausbezahlt und konnte damit meinen Kredit tilgen. Es war ein Gefühl, als würde mir eine Zentnerlast von den Schultern fallen. Was aber wahrscheinlich auch daran lag, dass mir meine Großmutter bei jedem Besuch in den Ohren lag, warum ich bloß einen Kredit aufgenommen hatte? Was wäre wenn ich meinen Job verlieren würde? Dann würde ich alles verlieren! Würde auf der Straße landen und sei noch selbst schuld! Diese Panikmache half mir damals definitiv nicht weiter!

Meine Großmutter hatte immer ein Sparziel und das hatte ich auch. Seit meiner ersten grindigen Wohnung wollte ich nur mehr eins – Eigentumswohnung! Ich konnte mich mit der Mietzahlung einfach nie anfreunden. Etwas in mir wollte immer ein Eigentum haben – auch wenn es der Bank gehört! Wenn in einer Mietwohnung etwas zu machen gewesen wäre, was Geld gekostet hätte, konnte ich mich einfach nicht dazu überwinden, da diese Mietwohnungen immer nur Übergangslösungen für mich waren. Abgeschlagene Fliesen – wen interessiert es! Nur eine funktionierende Herdplatte – was wollt ihr, eine funktioniert ja! Dementsprechend schauten die Wohnungen auch aus. Minimalistisch eingerichtet, meistens in Gegenden, wo ich mich nachts nur mit Bauchweh alleine auf die Straße traute! Doch das war mir alles egal. Bevor ich einen Fliesenleger bezahlen würde, legte ich lieber ein wenig Geld auf die Seite, für mein großes Ziel, wie ich es von Omi gelernt hatte!

Und dann kam heuer endlich das große Ziel. Meine Wohnung! Auf die ich 17 Jahre gespart hatte. Und dann veränderte sich etwas in mir. Der Sparzwang war von mir abgefallen. Ich wollte keine Entbehrungen mehr hinnehmen. Also begann ich die Wohnung schön einzurichten und leerte mein Konto immer ziemlich genau auf Null – ohne zu sparen. Natürlich brauche ich bald ein neues Auto. Natürlich habe ich das Geld nicht. Doch darauf zu sparen, ist mir derzeit einfach zu mühsam. Und dann kam Weihnachten und ich gab viel zu viel für die Geschenke aus – aber es machte einfach Spaß! – und plötzlich war ich im Minus. Das erste Mal seit sicher 15 Jahren, stand ein minus vor der Zahl auf dem Girokonto – und es war mir total egal! Ich würde das schon hinbekommen. Genauso wie alle Anschaffungen die heuer anstehen. Und einen Urlaub werde ich mir auch gönnen. Man lebt ja schließlich nur einmal!

Etwas hatte sich verändert. Die Grundsätze meiner Großmutter waren irgendwie ganz weit weg. Mein Ziel ist nicht mehr auf irgendetwas zu sparen, sondern mir Dinge zu gönnen, die ich haben will. Natürlich bin ich nur so entspannt weil ich einen Job habe, der relativ sicher ist. Und eine Bank die mir Mails schickt, dass sie mir gerne € 10.000,– zukommen lassen würde, sollte ich spontan ein wenig Geld brauchen – klar die wissen auch wo ich arbeite! 🙂 Doch auch wenn ich nicht vorhabe das Angebot anzunehmen – zumindest nicht, so lange mein Auto durchhält – so bin ich doch beruhigt, dass eine Nutzung meines Überziehungsrahmens, nicht das Ende der Welt bedeutet. Meiner Großmutter habe ich trotzdem nicht davon erzählt!

© Libellchen, 2015

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