Küchenplan

Ich war meine Küche planen. Eineinhalb Stunden in der Gesellschaft eines professionellen Küchenplaners und danach hatte ich nicht nur einen fertigen Plan, sondern auch eine Kostenkalkulation. Ich muss sagen 1 ½ Stunden waren gar nicht so lange, dafür dass ich als ich hinging überhaupt keine Vorstellung hatte.

Wenn ich früher Möbel kaufen ging, dann suchte ich vornehmlich das günstigste, da ich nie vorhatte lange zu bleiben. Alle meine Wohnungen in der Vergangenheit waren einfach nur Übergangslösungen. Von daher war das billigste, gerade gut genug. Und ich musste noch nie eine Küche kaufen. Von daher war ich total planlos.

Da ich keine leidenschaftliche Köchin bin, war mir klar, dass ich auch keine teure Küche mit extrem viel Schnickschnack brauche. Doch so wie bisher, wollte ich natürlich auch nicht weitermachen. Ich wollte eine voll ausgestatte Küche, die gut aussieht, ohne Schnickschnack und günstig. Und jeder dem ich davon erzählte, erklärte mich für verrückt. Jeder außer meinem Vater und Thomas. Sie waren die einzigen die mir sagten, dass meine Pläne machbar seien. Beides Männer.

Meine weiblichen Arbeitskolleginnen, prophezeiten mir, dass ich keine Küche unter € 10.000,– finden würde, die meinen Anforderungen entsprechen würde. Als ich sie auslachte, wurden sie ungehalten – wahrscheinlich haben sie selbst so viel für ihre Küchen bezahlt! Und tatsächlich kamen sie mit Argumenten was ich nicht alles in meiner Küche brauchen würde. Margit war diesbezüglich besonders emotional – sie kocht und backt sehr gerne. Als ich jedoch ihre indirekten LED-Spots mit einem „Wozu sollte ich die brauchen“ in Frage stellte, wurde sie ein wenig ungehalten. „Zum backen!“ – Natürlich. Weil ich so viel backe. Als ich dann meinte, „Naja, falls ich mal Lust bekomme zu backen, kann ich ja auch das Licht aufdrehen“, erklärte sie mir lang und breit wie man sich selbst die Sicht auf die Arbeitsfläche verstellt wenn man Kekse bäckt.

Alleine die Tatsache, dass sie mir das erklären muss, sollte eigentlich offensichtlich machen, dass ich nicht so schnell in die Verlegenheit kommen werde! Ich bleibe dabei – wenn ich backen will, drehe ich das Licht auf. So häufig wie das passieren wird, werde ich dann damit leben müssen, dass ich einen Schatten werfe. Ich werde mir aber sicher keine LED-Spots einbauen lassen, weil ich möglicherweise im Laufe der nächsten 20 Jahre irgendwann Lust bekommen könnte zu backen. Das konnte sie dann überhaupt nicht verstehen – klar, weil sie von sich auf andere schließt! Ich habe ihr sicher schon hundertmal erklärt, dass ich nicht so viel koche und backe wie sie. Aber sie versteht einfach nicht was das bedeutet.

Zum Pizza ins Rohr schieben, brauche ich keinen Dampfgarer. Zum aufwärmen von Essen, brauche ich keine Waage. Zum zubereiten von Fertigprodukten, brauche ich keinen Messbecher. Ich brauche keine Küchenkästen mit hunderten Möglichkeiten zur Lagerung von Gewürzen und Kräutern, wenn ich so etwas nicht besitze! Doch irgendwie wollen das die Frauen bei uns im Büro nicht verstehen. Sie hören mir nicht zu wenn ich sage, dass ich einen Herd, eine Kühl-/Gefrierkombi, einen Ofen, eine Mikrowelle und einen Geschirrspüler brauche. Sie planen Abstellfläche für Dampfgarer, kleinen Backofen, Küchenmaschine, Friteuse,…..

Der Küchenplaner hörte mir zu. Der durchschaute mich sofort. Der plante ein kleines Board wo ich meine Gewürze abstellen kann – genug Platz für Salz und Pfeffer. Der plante Arbeitsfläche und Abstellfläche. Der nahm meine Wünsche auf – auch den nach einer günstigen Lösung. Er bot mir noch nicht mal Schnickschnack an. Er wusste genau mit wem er es zu tun hatte. Und er plante mir eine Küche weit unter € 10.000,—. Jetzt habe ich nicht nur eine Idee wie es werden könnte, jetzt habe ich auch einen Plan. Und mit dem Plan werde ich jetzt noch ein paar andere Küchenplaner aufsuchen und schauen ob ich noch irgendwo ein günstigeres Angebot bekomme. Zur Not kann ich allerdings auch seines nehmen. Er liegt auf Anhieb in meiner Planungsgröße die ich für die Küche angesetzt hatte. Offensichtlich war ich mit meinen Vorstellungen also doch nicht so weit weg von der Realität. Die Männer hatten also Recht!

© Libellchen, 2014

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