Drehbuch der Liebe – Teil 12

„Oh, mein Gott! Ich spüre es. Das ist der Wahnsinn. Wow! So viel Liebe. Ich glaube ich war noch nie einem Menschen so nahe! Ich habe das Gefühl als würde mich deine Seele berühren!“ Ups! Dabei hatte ich jetzt gar nicht an meinen Ex gedacht. Ich hatte an ihn gedacht. An uns. Mist. Ich war ja so am Arsch!
„Ich verstehe nicht, wie er dich gehen lassen konnte. So wie du für ihn empfunden hast!“
„Ach das ist lange vorbei. Schwamm drüber.“ Sicherheitshalber hatte ich mich bei den letzten Worten von ihm weggedreht. Mein Ex hatte mich danach immer in Ruhe gelassen. Doch Aksel war nicht mein Ex. Er drehte sich ebenfalls um und nahm mich in den Arm.
„Falls ich eine alte Wunde wieder aufgerissen habe, möchte ich mich entschuldigen. Ich will dich nicht auch noch verletzen. Ich verspreche dir, ich werde die Rolle so authentisch spielen, dass du reich wirst davon. Dieses Opfer dass du gerade gebracht hast, soll ja nicht umsonst gewesen sein.“
„Ja, mach deine Sache gut und hol dir den Oscar.“ Sicherheitshalber lachte ich dazu, da ich nicht wollte, dass er noch mehr auf mich einredete. Ich wollte das Kapitel so schnell wie möglich schließen. Sollte er ruhig glauben, dass diese Gefühle noch ein Überbleibsel von meiner letzten Beziehung sind. Das war besser als wenn er die Wahrheit wüsste.
„Ich denke wir sollten jetzt wirklich versuchen zu schlafen, morgen wird wieder ein langer Tag.“
„Da hast du Recht. Lass uns schlafen. Gute Nacht!“ Was war das? Hatte er mir tatsächlich einen Kuss auf die Stirn gegeben? Nachdem mein Herz kurz ausgesetzt hatte, gehe ich davon aus, dass das gerade wirklich passiert ist.
„Darf ich dich im Arm halten, oder willst du lieber Abstand?“
„Bitte halt mich.“ Und lass mich nie wieder los. Da er nicht wegrückte, dürfte ich den 2. Teil des Satzes nur gedacht haben.

Der folgende Monat verging wie im Fluge. Unter der Woche wurde gearbeitet und in der Nacht wurde gekuschelt. Samstags trieben wir uns in der freien Natur rum und Samstagabend hatte Camilla für sich reserviert. Da ließen wir es so richtig krachen. Und Sonntags hatte ich dann meistens einen Katzenjammer. Aksel war beim Party machen ein wenig zurückhaltender und so verbrachte er den Sonntagmorgen immer irgendwo alleine, während ich mich im Hotel ausschlief. Sonntagmittag war er meistens zurück und ich meistens wach. Und je nachdem wie es mir ging, wurde gewandert oder gesonnt. Die Arbeit war für mich bedeutend weniger und auch weniger anstrengend geworden. Ich hatte nur mehr eine beratende Funktion und stand für offene Fragen zur Verfügung. Was hast du da gefühlt? Was hast du da gedacht? Woher kamen alle deine Komplexe? Camilla war nicht weniger wissbegierig wie Aksel. Nur dass sie mir ihre Fragen im Studio stellte und nicht im Bett.

Und so vergingen die Tage, die Wochen, der Monat. Und dann ging das Geld aus. Die Produktionsfirma stand vor der Pleite und rief eine Besprechung ein. Sie hatten noch eine Möglichkeit. Es gab einen potentiellen Finanzier, doch der hatte sich noch nicht entschieden. Sie brauchten Zeit. Diese Nachricht traf mich völlig unvorbereitet. Und sie warf mich auch ein wenig aus der Bahn. Nicht wegen dem Geld, das ich nun vielleicht nicht mehr bekommen würde, sondern weil ich mit mehr Zeit mit Aksel gerechnet hatte. Die Vorstellung, jetzt sofort, in mein altes Leben zurückkehren zu müssen, trieb mir die Tränen in die Augen. Ich konnte ihn nicht gleich verlassen. Ich brauchte Zeit mich darauf einzustellen! Vor lauter hochkochender Panik hätte ich fast überhört, dass sich alle einverstanden erklärten, eine Drehpause zu machen und der Produktionsfirma maximal 4 Wochen Zeit zu geben, Geld aufzutreiben. Die Crew würde 4 unbezahlte Wochen warten, ob es weiter ginge oder nicht. Wow! Damit hätte ich nicht gerechnet. Natürlich könnte das Projekt trotzdem vorbei sein. Sollten sie kein Geld bekommen, wäre es in 4 Wochen definitiv vorbei. Doch in 4 Wochen konnte ich mich von ihm trennen. Nur jetzt gleich, hätte ich es nicht geschafft.

Da jedoch alle dafür waren, hatte ich plötzlich 4 Wochen Urlaub. Bevor ich noch überlegen konnte, wie ich in seiner Nähe bleiben könnte, fragte Aksel bereits
„Lust mal was anderes als L.A. zu sehen?“
„Woran hast du gedacht?“
„Kanada!“
„Das wäre in der Tat ganz was anderes!“
„Ich hatte gehofft, du würdest vielleicht mit mir wandern gehen wollen!? Nur wir 2 und die kanadische Wildnis.“
„Du meinst in einer Hütte leben, zwischen den Bären?“
„Die Bären dürfen nicht in die Hütte. Die müssen draußen bleiben!“
„Na dann. Ich bin dabei!“

© Libellchen, 2014

zu Teil 11….

zu Teil 13….

2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 12

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