Soziale Kompetenz

Das wahrscheinlich größte Thema meines Lebens. Zu der Zeit wo andere den Umgang mit Fremden lernen, nämlich als Kinder, saß ich zu Hause und übte mich in der Beobachterrolle. Meine Großeltern waren übervorsichtig bei meiner Erziehung, daher hatte ich keinen Umgang mit anderen Kindern, außer in der Schule. Da ich an keiner Freizeitaktivität der anderen Kinder teilnehmen durfte, hatte ich allerdings keine Freunde und wurde zum Mobbingopfer. Damals wollte ich nichts anderes als Freunde finden. So viel zur Ausgangslage.

Als ich den Alkohol entdeckte und aufhörte zu denken, fand ich Freunde. Einfach indem ich, ich selbst war. Einmal gefunden, wollte ich sie nicht mehr hergeben und passte mich an, bis zur Selbstverleugnung. Ich tat alles um gewonnene Freunde zu behalten. Das brachte mir unzählige emotionale Verletzungen ein, da ich auf meine Gefühlen herumtrampeln lies. Irgendwann wurde es mir dann immer zu viel und ich zog eine Grenze. Diese wurde allerdings nie beachtet, da ich ja sonst auch alles mit mir machen lies. Wenn ich dann auf der Einhaltung meiner Schmerzgrenze beharrte, war dies normalerweise das Ende einer Freundschaft.

Für mich fühlte sich das so an, dass sobald ich auch mal etwas wollte, wurde ich abserviert. Und zwar immer und immer wieder. Ich verlor eine „beste Freundin“ nach der anderen. Bis ich beschloss, mich Menschen gegenüber nicht mehr zu öffnen. Ich wollte keine Angriffsfläche mehr bieten. Es gab dann eine Frau die mich vom Gegenteil überzeugte. Sie war nach der Trennung vom „Ex“ für mich da und verlangte keinen emotionalen Striptease von mir. Sie war einfach nur da und ich war nicht alleine. Irgendwann begann ich mich ihr gegenüber zu öffnen. Das war vor 7 Jahren und sie ist immer noch Teil meines Lebens.

Andere sind in der Zwischenzeit gekommen und auch wieder gegangen. Und es ist okay. Ich weiß mittlerweile dass ich auch ganz gut alleine klar komme. Wenn ich jemand zum reden brauche, dann kenne ich genug Menschen. Allerdings sind die meisten älter. Mit gleichaltrigen habe ich immer noch so meine Probleme. Mit älteren Menschen komme ich einfach besser klar. Vielleicht auch deshalb weil ich als Kind meistens mit älteren, bzw. alten Menschen zu tun hatte. Ich verbrachte die meiste Zeit meiner Kindheit mit Menschen die 2 Generationen älter sind.

Früher wollte ich mit Zwang Freunde finden, heute bin ich ganz glücklich wenn ich Zeit für mich und meine Hobbys habe. Ich habe akzeptiert, dass ich nicht der Typ bin, der glücklich ist wenn ich dauernd von anderen Menschen belagert werde. Und ich habe aufgehört, mich meiner Generation anpassen zu wollen. Wenn ich mich mit älteren Menschen besser verstehe, dann ist das so. Ich fühle mich einfach wohler in Gegenwart von Menschen, die schon einen langen Weg gegangen sind. Menschen die nur auf Dramaqueen machen wollen, oder die nur ihr Sexualleben im Kopf haben, sind einfach nicht mein Ding.

© Libellchen, 2013

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