Alleine unterwegs

Einen Blogbeitrag brauche ich noch um das Wanderthema hoffentlich emotional abschließen zu können. Mein Großvater war immer ein Alleingänger. Und er war stolz darauf. Alleine auf einem Gipfel zu stehen war das größte für ihn. Ich wiederum gehe alleine weil sich niemand findet der mitgeht. Ich habe zwar theoretisch eine Freundin die gerne mit mir wandert, praktisch hat sie mir heuer bereits zweimal abgesagt. Wenn ich also warten würde bis sie Zeit für mich hat, würde ich nirgendwo hinkommen. Früher wäre ich dann halt zu Hause geblieben und hätte mich geärgert, heute gehe ich halt alleine.

Wobei, seit ich beschlossen habe, alleine zu gehen, habe ich ein Angebot für gemeinschaftliche Wanderungen einer Freundin der Familie. Mal schauen ob das in meinem Urlaub wirklich was wird….. Ich gehe also alleine, weil ich muss. Opi ging alleine, weil er es gern tat. Wobei gern tue ich es mittlerweile auch. Mit meiner Freundin war das zwar kein Problem, doch gerade beim wandern – wenn man wenig Kondition hat – ist es wichtig mit jemand zu gehen, der sich an den schwächeren anpasst.

Mein Großvater hatte eine immense Kondition – mit dem Fahrrad von Pernitz nach Puchberg und dann zu Fuß rauf auf den Gipfel des Schneeberges und das ganze am selben Tag wieder retour. Ich habe dagegen wenig Kondition – auch wenn es immer besser wird. Ich gehe also lieber alleine als mit jemand der zu schnell für mich ist. Opi war schnell und wollte sich nicht bremsen lassen. Doch unter dem Strich waren wir beide alleine unterwegs.

Das alleine gehen hat aber noch andere Vorteile, als nur das dosieren der Geschwindigkeit. Zuerst einmal muss unterscheiden ob man den Weg kennt oder nicht. Der Schneeberg war bekanntes Terrain. Ich wusste wo ich hin wollte und hatte den Gipfel vor Augen. Das ist irgendwie leicht. Man macht einen Schritt nach dem anderen direkt auf das Ziel zu. Man hat immer genau vor Augen wie lange man noch braucht. Bei meiner Hohen Wand Wanderung war das ganz anders. Ich hatte zwar am Papier ein Ziel, doch praktisch keine Ahnung wie lange es noch war. Da macht man einen Schritt nach dem anderen und weiß nicht wie viele noch kommen werden.

Bei solchen Wanderungen kommen durchaus Umkehrgedanken. Als ich auf der Hohen Wand ernsthaft darüber nachdachte, war ich kurz vor der kleinen Kanzel – was ich allerdings nicht wusste, da ich den Weg nicht kannte. Da heißt es dann durchhalten obwohl man nicht weiß, wie lange noch. Bei dieser Wanderung habe ich etwas über mich gelernt – ich bin ganzschön zäh! Ich gebe nicht so schnell auf. Ich kenne das zwar schon von mir, doch gerade bei körperlicher Anstrengung war das neu für mich. Und ich habe durch das wandern auch noch besser gelernt auf mein Bauchgefühl zu hören. Wenn mein Körper – nicht mein Kopf – umkehren will, dann tue ich das. Wenn mein Körper weiter will, dann wird mein Kopf ausgeschaltet. Was relativ leicht ist, denn je anstrengender eine Wanderung ist, desto weniger kann ich denken.

Bei den Alleingängen habe ich es auch immer wieder geschafft mich zu verirren und dabei oftmals richtig schöne Fotomotive gefunden. Wenn man zu zweit geht, kann man sich bei einer Kreuzung beraten. Alleine, ist man auf sich gestellt. Biegt man falsch ab, muss man umkehren. Und man hat niemanden dem man die Schuld geben kann. Man ist für jede Entscheidung allein verantwortlich – für mich kein Problem, wird doch dadurch nur mein Leben gespiegelt. Ich bin es gewohnt Entscheidungen alleine zu treffen und dazu zu stehen. Gewisse Menschen möchte ich mir allerdings alleine im Wald oder auf dem Berg nicht vorstellen…..

© Libellchen, 2013

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