Wo Seelen wohnen

Wo gehen Seelen hin wenn der Körper stirbt? Ich glaube daran dass sie irgendwo sind. Über uns wachen. Und dass wir sie hin und wieder spüren können. Und so ging ich am Samstag auf den Schneeberg mit der Annahme die Seele meines toten Großvaters möglicherweise zu spüren. Wo, wenn nicht am Schneeberg. Der erste Berg seines Lebens. Der Berg den er am häufigsten bestiegen hat. Der Berg der ihn mit mir verbindet. Ich war mir sicher irgendetwas zu spüren. Es konnte gar nicht anders sein. Der Berg konnte mich einfach nicht kalt lassen…..

Und so wanderte ich auf den Gipfel. Sein erster Gipfel. Und ich spürte – Nichts! Das brachte mich tatsächlich ein wenig aus dem Tritt. Der Ausblick war schön, doch ich hatte keine Verbindung zu diesem Ort. Es war einfach nur ein Gipfelkreuz. Schön es geschafft zu haben, aber ansonsten – Nichts! Viel Zeit darüber nachzudenken hatte ich allerdings nicht da der Wind sehr stark ging und auf dem Gipfel des höchsten Berges im ganzen Bundesland, hat man auch nicht wirklich einen Windschutz. Und so wanderte ich weiter Richtung Fischerhütte.

Auf dem Weg dorthin fiel mir eine Gedenktafel auf und da ich natürlich ein wenig neugierig war, steuerte ich direkt darauf zu. Und plötzlich waren die erwarteten Gefühle da. Dieser Ort war wirklich wichtig für meinen Großvater gewesen, das konnte ich spüren noch bevor ich den Namen auf der Gedenktafel las. Es stehen 3 Namen darauf, doch nur einer war mir bekannt – Heinrich Roiss. Der Bergkamerad von meinem Großvater mit dem er 1958 die Haramosh-Erstbesteigung erlebt hatte und der ein Jahr danach am Dhaulagiri tödlich verunglückt war. Wenn Wikipedia stimmt war mein Großvater auch dabei als sein Kamerad und Freund am Berg starb. Wissen tu ich es allerdings nicht, da er nie wirklich darüber gesprochen hat. Wie bei allen wichtigen Dingen…..

Ich glaube die Gänsehaut die ich da hatte, hatte nichts mit dem Wind zu tun. Ich kannte den Namen und ich wusste dass er am Berg tödlich verunglückt war, doch das war alles was ich wusste. Jetzt weiß ich dass er für meinen Großvater sehr wichtig gewesen sein muss. Möglicherweise hat er sogar den Absturz mitangesehen? Nicht umsonst war er jedes Jahr mehrmals auf den Schneeberg gestiegen um die Gedenktafel zu besuchen….. Es war nicht der Gipfel den er erreichen wollte, es war diese Gedenktafel. Die Erinnerung an einen Freund.

Beim Abstieg von der Fischerhütte fand ich dann auch noch eine zweite Gedenktafel – mit demselben Namen. Ich glaube ich weiß jetzt wo die Seele meines Großvaters wohnt…..

© Libellchen, 2013

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