Kondition

Am Sonntagabend war ich mir nicht sicher, ob ich es schaffe diese Woche arbeiten zu gehen. Die Wanderung am Sonntag war ja echt heftig. Nach dem Aufstieg, ging es mir erstmal schlecht. Kein Wunder, ich hatte meinen Körper an seine Grenzen getrieben. Ich saß also auf einer Bank bei der kleinen Kanzel, eingewickelt in meine Jacke und wollte nicht mehr aufstehen. Ich blieb sitzen und reduzierte meinen Herzschlag und mir wurde immer kälter und übler. Doch was sollte ich tun?

Mein Auto stand in Scheuchenstein und ich war 500 Höhenmeter davon entfernt. Den Abstieg stellte ich mir allerdings recht schwierig vor. Doch wenn ich den geplanten Weg weiter gehen wollte, hätte ich noch 10 km und 100 Höhenmeter bergauf, vor mir. Als ich meiner Mutter nachträglich von dem Moment erzählte, meinte sie nur, hättest ja auch mich anrufen können, ich hätte dich abgeholt und zu deinem Auto gebracht. Ich gestehe, auf die Idee war ich nicht gekommen. Ich sah nur 2 Möglichkeiten. Den steilen Abstieg, oder den langen.

Ich saß also dort auf der Bank, überlegte meine Möglichkeiten, trank ein wenig Wasser und kam langsam wieder zu Kräften. Und ich traf eine Entscheidung. Ich würde weiter gehen. Es war so ein Bauchgefühl und ich höre ja mittlerweile auf meine Intuition. Und so gings weiter. Schritt für Schritt. Zuerst noch die letzten 100 Höhenmeter bergauf und danach bergab. Über 5 Stunden stapfte ich alleine durch die Gegend. Ja ich war happy als ich endlich die Ortstafel erreichte wo mein Auto stand. Ich war froh und müde, aber nicht fertig. Hätte ich gemusst, hätte ich auch noch mehr geschafft.

Wenn ich an meine ersten Wanderungen zurückdenke, wird die Leistung von Sonntag noch viel deutlicher ersichtlich. Als ich vor 2 Jahren mit einer Freundin von der Bürgeralpe nach Mariazell runter ging, war ich nach einer kurzen Steigung am Ende. Ich hatte Herzrasen und weiche Knie. Selbst das runter gehen strengte mich damals mehr an der steile Aufstieg am Sonntag.

Was ich aber wirklich toll finde ist dass ich diese Woche pumperlgesund war. Natürlich hatte ich einen Muskelkater. Allerdings war er nicht weiter der Rede wert. Meine Waden und mein Hintern schmerzten ein wenig, aber auch nicht weiter schlimm. Mittlerweile bin ich wieder vollständig hergestellt und deshalb habe ich für morgen etwas ganz spezielles geplant. Eigentlich wollte ich am Wochenende ins Waldviertel fahren, doch da sich die Pläne im Laufe der Woche geändert hatten, hatte ich beschlossen, die Änderung müsse für etwas gut sein. Und so werde ich mich morgen auf den Berg begeben, auf dem ich schon war, bevor ich gehen konnte. Es gibt da ein tolles Foto – leider weiß ich nicht wo es ist – wo mein Großvater vor dem Gipfelkreuz steht und mich hat er in einem Korb auf dem Rücken. Keine Ahnung wie alt ich war, doch laufen konnte ich damals auf jeden Fall noch nicht. Morgen werde ich ihn nach über 25 Jahren wieder mal besuchen. Bisher hat er mich bei meinen Wanderungen als Orientierungspunkt begleitet. Morgen ist das Gipfelkreuz das Ziel…..

© Libellchen, 2013

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