Panik

Als ich das erste Mal von der Human Design Matrix (HDM) hörte, waren es genau 2 Dinge die mich sofort bannten. Zum einen die Beschreibung meiner Generatorenkraft und zum anderen die Beschreibung meines offenen Wurzelzentrums. Ich wusste plötzlich wo mein Ehrgeiz, meine Panik und meine Existenzängste herkommen. Vor HDM hab ich meinen Großeltern für vieles die Schuld gegeben. Sie haben mich zu einem verkorksten Menschen erzogen. Doch das stimmt nur bedingt. Sie haben mir wirklich viel Blödsinn erzählt, doch sie wollten nur mein Bestes. Und wie ich mit dem was sie mir sagten umging, liegt einzig und allein an meinem Design. Woher ich das weiß. Ich spiele mich bereits seit Jahren mit meinem offenen, bzw. definierten Zentren.

Mein Wurzelzentrum ist offen, d.h. mir kann man wunderbar materiellen Druck machen. Meine Großeltern haben den 2. Weltkrieg miterlebt und so haben sie auch immer gespart. Zu Hause wurde sich nichts gegönnt, jeder Cent wurde auf die Seite gelegt. Und es war nie genug. Egal wie sehr sie auch gespart haben, sie hatten immer das Gefühl, es sei zu wenig. Sie hatten Angst davor alles zu verlieren, und ich hab jede Sekunde dieser Angst aufgenommen. Das Problem mit offenen Zentren ist, dass man die Vibes der Umwelt aufnimmt und da es nicht die eigenen Gefühle sind, gleich mal ein wenig verstärkt auslebt. Und so bin ich zu einer jungen Frau herangewachsen, die Angst vor allem hatte. Und speziell davor, zu versagen, alles zu verlieren, auf der Straße zu landen. Irgendwie habe ich es trotzdem geschaffte, nicht von dieser Angst paralysiert zu werden, ich habe trotzdem mein Leben gelebt.

Doch hin und wieder kam die Panik durch. Ich kenne da zwei unterschiedliche Arten von Druck. Das eine ist der materielle Druck, Existenzängste inklusive und das andere ist der Druck den ich mir selbst mache, der Druck perfekt sein zu müssen. Der materielle Druck äußerte sich vor allem im Büro. Ich war immer ein braver Arbeiter. Habe Überstunden gemacht, ohne Bezahlung und immer alles getan, um nur ja nicht den Job zu verlieren. Ich hab mir sehr viel gefallen lassen, Mobbing inklusive, einfach aus Angst alles zu verlieren. Mit einer offenen Wurzel ist man nicht wirklich rational. Ich konnte mir zwar sagen dass ich, sollte ich meine Job verlieren, wieder einen finde, doch die existenzbedrohende Angst, war trotzdem die ganze Zeit an meiner Seite. Es war als würde ich nicht frei atmen können, nicht frei meine Entscheidungen treffen. Ich konnte nicht tun was ich wollte, ich musste alles tun, um meinen Job zu behalten. Ich hatte ja nur Glück, das mir meine Arbeit gefallen hat, ich weiß nämlich nicht, ob ich gekündigt hätte, wenn es nicht so gewesen wäre. Als ich dann nach 5 Jahren trotzdem meinen Job verloren hatte, war ich wie gelähmt. Ich war absolut panisch und in dieser Situation machte ich einen großen Fehler. Ich besuchte meine Großeltern. Ich war nur ca. eine Stunde dort, doch ich weiß bis heute nicht wie ich es überlebt habe. Sie haben mir so lange erzählt, dass mein Leben jetzt vorbei sei, dass ich am Weg zum Auto, zum heulen anfing, weil meine Existenz zu ende ist. Ich sah mich unter der Brücke, als Obdachloser auf der Straße, mit nichts als meinen Kleidern am Leib.

Heute weiß ich, was das war. Mein offenes Wurzelzentrum hat jedes Wort von ihnen aufgesaugt und verstärkt. Ich war wie gelähmt vor Angst. Sie wussten übrigens nicht was sie tun, sie haben nämlich beide ein definiertes Wurzelzentrum. Ihnen sind meine Gefühle daher vollkommen fremd, was auch der Grund war, dass ich ihnen trotz allem verzeihen konnte. Sie wussten es einfach nicht besser. Das zweite Gefühl, den Druck den ich mir jahrzehntelang selbst gemacht habe, ist das Gefühl perfekt sein zu müssen. Das trifft natürlich auch den Job, aber auch das Privatleben. Im Job kam ich daher immer als extrem übertrieben ehrgeizig rüber, in der Schule war ich ein Streber und in zwischenmenschlichen Beziehungen, habe ich mich immer zurück gehalten. Wenn man eine perfekte Beziehung führen will, muss man erstmal herausfinden was für den Partner perfekt ist. Doch wenn man für den Partner perfekt ist, ist man dann noch man selber? Also ich hab mich verloren – jedes Mal. Ich wollte immer alles richtig machen. Eine der Hauptaufgaben in den ersten 30 Jahren meines Lebens war, in allen Lebenslagen, perfekt sein zu wollen. Egal ob das in Freundschaften war, in Beziehungen, in der Schule, im Job oder in der Familie. Doch natürlich geht das nicht. Und jedes Mal wenn es nicht funktionierte, fühlte ich mich als Versager und der Druck verstärkte sich noch.

30 Jahre stolperte ich durchs Leben, getrieben vom eigenen Druck, genauso wie von dem der Umwelt. Durch HDM habe ich erkannt, woran es liegt und dann habe ich jahrelang versucht dieses Zentrum in den Griff zu bekommen. Als erstes fing ich an mich gegenüber meiner Umwelt abzugrenzen. Da konnte ich echt gut mit meinen Großeltern üben. Und ich habe es tatsächlich geschafft, die negativen Gefühle meiner Umwelt nicht mehr so an mich ranzulassen. Und ich muss sagen gerade rechtzeitig. In Zeiten wie diesen mit Weltwirtschaftskrise, Euro-Krise, etc. bin ich echt dankbar dass ich mein offenes Wurzelzentrum im Griff habe. Denn wäre es nicht so, hätte es mich im Griff! Mittlerweile erkenne ich sogar Leidensgenossen. Niemand kann so viel Panik schieben, wie jemand mit offenem Wurzelzentrum. Das andere was ich lernen musste war aufzuhören mich selbst fertig zu machen. Dazu war es allerdings notwendig meine innere Mitte zu finden. Ohne eine gewisse Gelassenheit, kriegt man das Wurzelzentrum nie vollständig in den Griff. Wobei ich es auch nicht vollständig kontrollieren kann. Hin und wieder schafft es auch heute noch die Panik mich zu überrollen, doch ich weiß dann wenigstens was los ist, und kann etwas dagegen machen. Und ich muss sagen, das Gefühl vor Panik gelähmt zu sein, fehlt mir echt nicht!

© Libellchen, 2012

5 Kommentare zu “Panik

  1. liebes libellchen,

    das klingt für mich ein bisschen sehr nach einem horoskop. ich habe mich mit der HDM nicht eingehend beschäftigt, aber was du schreibst, erinnert mich stark an sowas. klar steckt irgendwo wahrheit dahinter, aber horoskope sind immer so formuliert, dass man sie auf alles anwenden kann. genau wie diese „tests“ im internet, wo man z.b. herausfinden kann, „welche farbe“ zu einem passt und dort dann eigenschaften aufgelistet sind, bei denen man fasziniert ist, wie sehr sie zu einem passen und wie recht dieser test hat… aber im grunde genommen ist das alles so vage beschrieben, dass man die texte für sich so auslegen kann, dass es immer stimmt.
    fall nicht darauf hinein! du bist immer noch du, und du schaffst das alles aus eigenem antrieb. sei stolz auf DICH! 🙂
    und wenn es hilft: umso besser. aber halte immer die augen offen!

    liebe grüsse,
    aprikose

    • Also von vage beschrieben kann ich bei HDM nicht sprechen. – Ganz im Gegenteil. 🙂 Wenn du dich damit beschäftigt hättest, wüsstest du dass es mit einem Farbentest oder einem Tageszeitungshoroskop überhaupt nichts gemein hat. Also mach dir keine Sorgen dass ich auf etwas hereinfalle – wie bereits im Artikel Human Design Matrix beschrieben – bin ich an das System mit sehr viel Skepsis herangegangen.

      Und ich würde nicht darüber schreiben, wenn ich nicht in den letzten 5 Jahren unzählige Male gesehen hätte, wie HDM bei extrem vielen unterschiedlichen Menschen Recht hatte!

      LG

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