Schwarz und weiß

Viele Jahre hab ich die Welt sehr engstirnig gesehen. Lange Zeit gab es für mich nur schwarz und weiß. Irgendwann hab ich dann die Grautöne entdeckt und mittlerweile kann ich auch schon die Farben sehen. Aber zurück zu schwarz und weiß. Es gab Dinge die hab ich auf eine bestimmte Art verstanden. Wenn mich jemand zurückgewiesen hat, dann weil er oder sie mich nicht wollten. Heute kenn ich genug Beispiele, wo eine solche Zurückweisung gar nichts mit mir zu tun hatte. Doch ich habe es immer persönlich genommen. Wenn mich jemand nicht wollte, dann kann es nur an mir liegen. Dann kann es nur daran liegen, dass ich nichts wert bin. Egal ob es sich um meine Familie, Männer oder aber auch Freundinnen gehandelt hatte. Immer hab ich die Schuld bei mir gesucht und natürlich auch gefunden.

Doch dann lief mir der süße Typ über den Weg und auch er hat mich nach einiger Zeit zurück gewiesen. Doch da ich damals so fertig mit der Welt war, habe ich das erste Mal versucht, herauszufinden warum ich nicht wertvoll genug für diese Welt bin. Doch da ich es damals einfach nicht schaffte, dieses Problem alleine zu lösen, habe ich etwas getan, was ich zuvor nie geschafft hatte – ich habe ihn nach seinen Beweggründen gefragt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist mir dafür immer mein Stolz im Wege gestanden. Doch damals hatte ich nichts mehr im Leben, noch nicht mal mehr Stolz und so hab ich angebettelt mir zu erklären warum er mich nicht will. Und er hat es mir erklärt. Und es hatte nicht wirklich was mit mir zu tun. Vielmehr hat er Angst vor zuviel Nähe. Er will niemanden an sich ranlassen und ich bin ihm einfach viel zu nahe gekommen.

Und da hab ich begonnen nachzudenken. Und meine Schwarz/Weiß Sichtweise ist aufgebrochen. Das erste Mal im Leben konnte ich Grautöne wahrnehmen. Das ist jetzt über 1 ½ Jahre her und wieder Mal ist Zurückweisung ein Thema. Doch diesmal ist es nicht ein Mann, sondern eine Freundin, die mir ohne Angabe von Gründen die Freundschaft gekündigt hat. Und sofort bin ich in alte Denkweisen zurückverfallen und habe die Schuld bei mir gesucht. Doch da ich ja nicht wusste, was genau der Auslöser für ihr Verhalten war, hab ich wochenlang darüber nachgedacht was ich falsch gemacht habe und natürlich wurde ich fündig. Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler wie jeder Mensch. Doch auch sie hat Fehler gemacht, doch die habe ich in meine Überlegungen gar nicht erst berücksichtigt.

Und durch diese Überlegungen bin ich wieder an einem Punkt angelangt wo ich nicht mehr hinwollte. Ich war leicht depressiv und zu nichts zu gebrauchen. Aber wieso tue ich mir das an? Ich kenne ihre Beweggründe nicht, ich kann Vermutungen anstellen, aber wissen tue ich es nur, wenn ich sie frage. Allerdings hat sie mich mit ihrem Verhalten so verletzt, dass ich gar nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Seit ich nichts mehr von ihr höre, fühle ich mich auch befreiter. In ihrer Gegenwart konnte ich nie ich selbst sein, weil sie immer das Gefühl gab, durch meine bloße Anwesenheit, würde ich sie in ihrer Freiheit einschränken. All die Jahre war es als würde ich nur auf Sparflamme existieren. Jetzt kann ich wieder brennen. Nichts desto trotz war ich nicht froh über die Entwicklung, doch ich werde sie akzeptieren und ich höre auch damit auf, mich selbst fertig zu machen deswegen.

Ich habe in den letzten 1 ½ Jahren versucht niemanden Beweggründe zu unterstellen, die ich nur vermute und nicht kenne. Ich habe versucht alle Farben wahrzunehmen und nicht nur im Schema Schwarz/Weiß zu denken. Und so habe ich auch versucht das Verhalten meiner Freundin mir selbst zu erklären und ihr nicht einfach etwas zu unterstellen. Aber ich habe jetzt beschlossen, dass Menschen die mich aus ihrem Leben verbannen, zukünftig nicht mehr in den Genuss dieser Sonderbehandlung kommen werden. Sie wollen nichts mit mir zu tun haben, dann sollen sie es bleiben lassen. Ich habe keine Lust mehr ihr Verhalten zu entschuldigen oder schön zu reden. Wenn eine Erwachsenen Frau ein offenes Gespräch scheut, dann ist sie einfach feige. Das brauch ich nicht schönreden. Ich weiß dass sie mit mir nicht reden wollte, weil sie Angst davor hat, dass ich ihr mit meinen Argumenten den Wind aus den Segeln nehme. Aber das ist ihr Problem, mit mir hat das nichts zu tun.

© Libellchen, 2012

3 Kommentare zu “Schwarz und weiß

  1. Ich finde, du hast deine Sichtweise genau in die richtige Richtung gelenkt. Mit dieser Sichtweise geht es einem auch viel besser.

  2. Pingback: Konsequenzen « Libellchen

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