Verhaltensweisen

Ich bin gerade dabei alte Verhaltensweisen abzulegen. Es gibt Verhaltensweisen die mir teilweise anerzogen worden sind, bzw. die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe. Momentan achte ich bewusst darauf ob ich Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffe, oder ob ich Dinge tue, weil ich sie mir in den letzten Jahren angewöhnt habe. Dabei handelt es sich im Grunde genommen um Kleinigkeiten.

Ich treffe mittlerweile sehr viele Entscheidungen aufgrund meines Bauchgefühls. Und ich habe das Gefühl, mein Leben wird dadurch einfacher. Es ist als hätte ich mir in der Vergangenheit mein Leben selbst schwer gemacht. Ich habe mein Leben relativ kontrolliert gelebt. Spontaneität hatte dabei keinen Platz. Wenn meine Mädels am Wochenende mit mir fort gehen wollten, brauchte ich mindestens 2 Tage Vorwarnung und dann war es oftmals so, dass ich zusagte und dann am Wochenende selbst, hatte ich meine Meinung geändert. Mittlerweile reicht ein Anruf ein paar Stunden vorher und bei meiner Entscheidung höre ich auf mein Bauchgefühl. Und diese Entscheidung bereue ich dann auch nicht.

Früher habe ich Dinge oftmals aus den falschen Gründen getan. Weil man gewisse Dinge tun muss. Wenn jemand mit mir fort gehen wollte oder auch einfach nur einen Kaffee trinken, habe ich grundsätzlich immer zugesagt, da ich ja niemanden vor den Kopf stoßen wollte. Ich habe alles getan um alle zufrieden zu stellen, lange nachdem ich eigentlich keine Kraft mehr dafür hatte. Ich habe mich damit selbst fertig gemacht. Doch vor kurzem hab ich begonnen, nein zu sagen, wenn mir nicht danach war. Und niemand war mir böse deswegen. Im Gegenteil. Als ich das erste mal einer Freundin abgesagt habe, hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, doch als ich mit ihr am nächsten Tag sprach, erzählte sie mir, dass die Grillfeier, wo sie war, und von der sie wegen mir früher weggegangen wäre, total lustig war und sie bis 2 Uhr morgens mit den anderen gefeiert hat.

Hätte ich auf ihre Frage mit ja geantwortet, hätte sie eine lustige Feier wegen mir verlassen, obwohl ich eigentlich an dem Tag gar nicht fort gehen wollte. Das heißt, sie hätte eine lustige Situation verlassen und ich hätte mich rausgequält. So blieb sie einfach länger auf der Feier und hatte ihren Spaß und ich machte mir einen schönen, gemütlichen Abend. Dadurch dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, habe ich uns beiden einen angenehmen Abend bereitet. Wer hätte das gedacht. Nein sagen, kann Menschen glücklich machen.

Von diesen Beispielen gibt es mittlerweile einige. Und ich habe das Gefühl, sie werden auch immer mehr. Wenn man antrainierte Verhaltensweisen ablegt, eröffnen sich plötzlich ganz neue Ansätze. Das Leben wird spannender. Wahrscheinlich weil es nicht mehr so vorhersehbar ist. Früher hatte ich Angst davor, nicht zu wissen wie es weiter geht. Heute bin ich freudig gespannt, was noch auf mich zukommen mag. Und auch wenn das Leben irgendwie leichter dadurch geworden ist, verfalle ich hin und wieder, wieder in alte Denkmuster.

Wenn ich zum Beispiel in eine Situation gerate die ich schon mal in ähnlicher Form erlebt habe, gehe ich automatisch davon aus, dass die neue Situation auch genau so enden wird. Auch wenn die handelnden Personen andere sind. Es ist ein Reflex, den ich gerade versuche mir abzugewöhnen. Doch das ist gar nicht so leicht. Aber ich werde nicht aufgeben. Wenn man davon ausgeht, dass sich nichts ändert, wird es auch so sein. Gestern wurde mir mal wieder bewusst, wie tief gewisse Gefühle in mir verankert sind. Negative Ansätze, die ich noch nicht losgeworden bin. Doch ich bin mir dessen bewusst, und werde daran arbeiten.

© Libellchen, 2011

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