Freizeit

Ich habe immer gern gearbeitet. Zu Beginn meiner Angestelltenkarriere habe ich sehr viele unbezahlte Überstunden gemacht. Einfach weil ich meine Arbeit liebte. Und auch wenn ich weder Zeitausgleich, noch Bargeld dafür bekommen habe, der Respekt meines Chefs war mir sicher.

Als ich in die höherbildende Schule ging, bin ich jeden Tag 2 Stunden gependelt. Meistens kam noch eine Stunde am Bahnhof warten dazu, da nur alle Stunde ein Zug fuhr. Die ersten 5 Jahre arbeiten, verbrachte ich auch täglich 1 ½ Stunden zuerst im Zug und später dann im Auto, auf dem Weg zu und von der Arbeit. Jeden Tag hab ich Zeit mit pendeln verschwendet. Verlorene Stunden. Im Zug lesen ist zwar vorübergehend lustig, aber keine Jahre. Irgendwann will man nur noch einen Job „ums Eck“. Als die österreichische Niederlassung „meiner“ Firma zugesperrt hatte, hab ich mir genau das gesucht. Ein Job 5 Minuten von zu Hause. Herrlich. Endlich mehr freie Zeit. Nun gut, die brauchte ich auch, da das Lieblingshobby meiner Arbeitskollegen Mobbing war. Na toll, Job ums Eck, dafür jeden Tag mit Bauchweh in die Firma.

Irgendwann hatte sich auch der 2. Job erledigt und so musste ich wieder überlegen was ich wollte. Viel Geld, viel freie Zeit, pendeln? Letztendlich hab ich jetzt alles. Ich pendel, ich verdiene gutes Geld und ich habe trotzdem noch relativ viel Zeit. Da ich lange Zeit mit dem „wieder pendeln müssen“ gehadert hatte, hab ich meinen jetzigen Job, lange Zeit nicht wirklich schätzen können. Mich hat die tägliche Autofahrt einfach zu sehr genervt. Immerhin verbring ich jede Woche 500 km auf der Straße. Und die Zeit war einfach vergeudet. Und bei einer Pendelbilanz von 17 Jahren wird es von Jahr zu Jahr mühsamer. Ich will gar nicht genau wissen, wie viel Zeit ich auf dem Weg zur Arbeit, bzw. nach Hause in Zügen oder im Auto verbracht habe. Ganz zu schweigen von der Zeit am Bahnhof, wenn man einen Zug verpasst hatte und der nächste auf sich warten ließ.

Irgendwann hat es mir gereicht. Ich hab jeden Menschen beneidet, der nicht jeden Morgen aufstehen und ins Büro fahren muss. Ich wollte einfach nicht mehr. Jeden Tag um 5 Uhr aufstehen um den morgendlichen Stau zu umgehen. Stunden unterwegs und andere waren einfach zu Hause. Haben von zu Hause aus gearbeitet, waren mit den Kindern zu Hause,… Ich war es ihnen echt neidig. Ich wollte das auch. Wollte nicht mehr pendeln. Die Arbeit selbst stört mich ja nicht, nur der Weg bis ins Büro hat mich genervt.

Doch dann hab ich meine freie Zeit nutzen gelernt, und jetzt stört mich auch das pendeln nicht mehr so. Es hat sich zwar nichts an den Umständen geändert, aber meine Haltung hat sich geändert. Mein Tag besteht nicht mehr aus Arbeit und Freizeit, sondern aus 24 Stunden die genutzt werden wollen. Wenn ich schlafe, tanke ich Energy. Wenn ich im Auto sitze, bin ich kreativ und mir fallen neue Blogeinträge ein. In der Arbeit mache ich was anfällt und trainiere dabei mich von negativen Einflüssen nicht mehr aus der Bahn werfen zu lassen. Wenn ich zu Hause wäre und nicht pendeln würde, könnte ich weder soviel nachdenken, was ich euch wieder für tolle Blogeinträge schreibe, noch könnte ich üben wie ich mich am besten von negativen Menschen abgrenzen kann. Und nach der Arbeit versuche ich, mir gutes zu tun. Ich gehe schwimmen, in den Park, lese, schreibe, lebe,…

Lange Zeit habe ich Menschen beneidet, die sich ihre Zeit selbst einteilen können, dabei habe ich übersehen, wie viel ich aus meinen eigenen Tagen machen kann. Jetzt sehe und genieße ich es. Jeden Tag aufs Neue. Und plötzlich ist auch das Wochenende gar nicht mehr so wichtig. Wenn man lernt, aus jedem Tag soviel positives wie möglich, herauszuholen, braucht man die Erholung am Wochenende auch gar nicht mehr so dringend.

© Libellchen, 2011

4 Kommentare zu “Freizeit

  1. Ich bin so froh einen kurzen Weg zur Arbeit zu haben, so kann ich mit dem Rad dort hin und anschließend, im Sommer, eine Feierabendtour dran hängen.

    Ich arbeite gerne, aber nach Feierabend genieße ich gerne frische Luft.
    Einen weiteren Weg würde ich allenfalls in Kauf nehmen, wenn ich mir damit ein schöneres Wohnumfeld sichern würde oder andere Vorteile (näher an meinen Kindern, oder so).

    Aber die Methode sich den Umständen entsprechend das absolut positivste dabei heraus zu holen, finde ich total genial und richtig. Das gibt eine frohe Stimmung und das ist dann noch wichtiger.
    LG
    SZ

    • Liebe SZ!

      Ja es war nicht leicht, bis hierhin zu kommen, doch jetzt genieß ich es umso mehr. Es ist echt toll, wenn man lernt, die Zeit die einem geschenkt wird, richtig zu genießen.

      GlG Libellchen

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