Warum?

Ich habe schon oft darüber nachgedacht warum gewisse Dinge ausgerechnet mir passiert sind. Warum konnte ich nicht in einer glücklichen Familie groß werden? Warum finde ich niemanden der mich so liebt wie ich bin? Warum fordert mich das Schicksal immer wieder heraus? Warum muss ich immer stark sein? Warum ist da keine Schulter zum Anlehnen für mich? Diese und noch viel mehr Fragen habe ich mir im Laufe meines Lebens immer wieder gestellt. Doch irgendwann habe ich damit aufgehört. Ich habe mir bewusst gemacht, dass es mir doch eigentlich gut geht.

In Österreich lebe ich in einem freien Land. Ich bin gesund. Ich lebe als Frau in einem emanzipierten Land. Ich habe eine gut bezahlte Arbeit, eine eigene Wohnung und ein funktionierendes Auto. Und ich habe immer alles geschafft. Jeden Stolperstein im Leben konnte ich aus dem Weg räumen. Und mit jedem Hindernis oder besser gesagt mit jeder Herausforderung bin ich auch gewachsen. Und je öfter ich mir die Tatsachen vor Augen halte, desto besser kann ich mit den Stolpersteinen umgehen.

Meine Probleme sind relativ. Es sind Luxusprobleme. Ich hab keine Schulter zum Anlehnen? Viele Menschen auf dieser Welt haben nichts zu essen. Ich muss immer stark sein? Wie stark müssen erst Frauen sein, die vom eigenen Mann als Eigentum betrachtet werden. Ich hatte keine glückliche Kindheit? Es gibt Kinder die haben nicht mal ein Dach über dem Kopf. Wenn man die Dinge so betrachtet werden die eigenen Probleme lächerlich. Zumindest meine.

Ich kann aber nachvollziehen dass Menschen immer wieder mit ihrem Schicksal hadern, wenn ein Schicksalsschlag oder eine Krankheit sie einholen. Natürlich machen meine Gedanken es für diese Menschen nicht leichter. Doch wenn sie mit ihrem Schicksal hadern und es persönlich nehmen, machen sie sich ihr Leben auch nicht leichter. Im Gegenteil. „Warum ich?“ kostet nur Nerven und Energy. Es trifft uns alle. Jeden Menschen auf dieser Welt. Doch jeden Menschen trifft es anders. Doch ich denke wir werden alle geprüft. Und manche von uns nehmen die Herausforderung an und gehen gestärkt daraus hervor, und andere ignorieren die Herausforderung und bleiben stehen.

Wenn ich bei meinen Freunden genauer hinschaue, so ist klar erkennbar, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Jeder ein anderes, doch niemand ist ganz unbeschwert. Meine Freunde sind sich dessen bewusst und versuchen die Last ihrer Pakete zu reduzieren. Ich habe das auch gemacht. Ich habe die Last auf meinem Rücken reduziert. Habe mich damit abgefunden in der Vergangenheit des öfteren vom Schicksal herausgefordert worden zu sein. Doch alles was mir in meinem Leben widerfahren ist, hat mich erst zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und ich mag mich! Also war es alles für was gut. Und seit ich die Stolpersteine als Teil von mir akzeptiert habe, ist auch der gewisse Punkt auf meinem Hintern nicht mehr so schmerzhaft.

Ich habe ja einen fantastischen Masseur, der meine Energy immer wieder zum Fliessen bringt. Die Massage war immer herrlich, bis auf den einen Punkt an meinem Hintern. Der hat immer irrsinnig weh getan. Ein stechender Schmerz jedes Mal wenn er an dem Punkt angekommen ist. Ich hab ich natürlich gefragt, was das für ein Punkt ist und er meinte nur „Verletzungen der Seele“. Na dann, hab ich mir damals gedacht, bin ich ja beruhigt. Das ist ja jetzt für mich nicht wirklich verwunderlich. Doch das letzte Mal als ich bei ihm war, tat der Punkt nur mehr ganz leicht weh, kein stechender Schmerz mehr. Er war dann auch sehr froh darüber, weil er meinte, er hat den Schmerz immer bis rauf in die Schulter gespürt.

Also hab ich schon 2 Menschen glücklich gemacht mit meiner neuen Einstellung. Meinen Masseur und mich selber. „Warum ausgerechnet ich“ gibt es für mich nicht mehr. Für mich stellt sich ab sofort viel eher die Frage „Warum werden wir Menschen vom Schicksal immer wieder herausgefordert?“

© Libellchen, 2011

5 Kommentare zu “Warum?

  1. Liebes Libellchen,

    wie du schon richtig sagst, jeder hat ein Päckchen zu tragen, der eine ein kleines, der andere ein großes. Diese Päckchen untereinander zu vergleichen, bringt nicht recht viel und sich zu fragen, warum der andere ein kleineres oder größeres zu tragen hat, auch nicht. Viel wichtiger ist der Weg, den man geht und die Menschen (andere Päckchenträger), die mit einem gehen und vielleicht, wenn man nicht mehr kann, das eigene Päckchen sogar ein Stück weit anheben, damit es leichter wird. Es gibt dann auch die, die was ins Päckchen reingeben wollen oder uns einreden wollen, dass wir unser Päckchen nicht tragen können, die sollten wir uns schnellstens vom Hals schaffen.

    Liebste Grüße,
    Sunny mit Päckchen 😉

  2. Der Punkt in meinem Hinter schmerzt so sehr, dass es mir Bewegung fast unmöglich macht.
    Wie hilfreich es doch ist anderer Menschen Lebensberichte zu lesen.
    Danke dir mal wieder :- )
    LG
    E.

  3. Der Punkt hats in sich – ich kenn den auch 😉
    Falls du irgendwann in unsere Gegend kommst, müssen wir dir unseren göttlichsten aller Masseure vorstellen – es zahlt sich ganz sicher aus – und ist noch ein zusätzlicher Anreiz für dich, uns bald mal zu besuchen.

  4. Na die verletzten Seelen könnten einen Verein bilden 🙂
    Erkennungszeichen: seeeehr empfindlicher, schmerzhafter Punkt im Hintern

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