Feuerprobe

Ich hab die Feuerprobe bestanden. Auch wenn es halb so schlimm war. Ich habe gemerkt, dass mir ihre Meinung total egal ist. Sie waren wie immer. Ich nicht. Meine Großmutter weiß immer noch alles besser und mein Großvater hat seine Mundwinkel so weit unten, dass er damit den Boden aufwischen könnte. Faszinierend was einem alles auffällt, wenn man sich eine zeitlang fern hält. Meine Großmutter wollte mir meine Beförderung schlecht reden. Weil ich krieg nicht mehr Geld. Wobei ich jetzt dann endlich genug Arbeit habe, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Ich hatte immer das Gefühl ich verdiene viel zu viel, für das was ich arbeite. Jetzt bin ich beruhigt. Sie wollte es mir trotzdem mies machen.

Als ich versucht habe mit ihr über die Arbeit zu reden, war das einzige was sie interessiert hat, ob ich auch mehr verdiene. Und als ich ihr erzählt habe, dass es im ersten Ansatz erstmal gleich bleibt, hat sie sofort ihre Mundwinkel den von Opi angepasst. Dieses abfällige, geringschätzige Gesicht von ihr, hatte ich schon fast vermisst. Doch nur fast. Der Unterschied zu sonst war aber, dass es mir egal ist. Sollen sie doch glauben was sie wollen. Die zwei haben von nichts eine Ahnung. Die Kronen Zeitung ist ihre Bibel und sie sind gefangen in ihrem Wahn, dass sich die ganze Welt nur darum dreht, ihnen das Leben zu vermiesen.

Ich habs hinter mir und ich habs überlebt. Und ich fühle nicht mehr den Druck, jetzt wieder jedes Monat zu ihnen fahren zu müssen, weil man das von mir erwartet. Mir doch egal, was irgendwer von mir erwartet. Die zwei hat es ja auch nie interessiert was ich von ihnen erwartet habe. Liebe und Zuneigung zum Beispiel. Sie haben Zeit meines Lebens nur an mir herum gemäkelt. Sie können gar nichts anderes. Doch ich bin jetzt alt genug, selbst zu bestimmen, wann ich mir das geben will und wann nicht. Ab und zu wünschte ich mir zwar, dass sie endlich merken, wie viel ich ganz für mich alleine, alles erreicht habe, doch das werden sie, solange sie leben, nicht hinkriegen. Denn dazu müssten sie mir mal zuhören. Doch bei den beiden ist das selektive Gehör und Verständnis extrem stark ausgeprägt.

Aber vielleicht gibt es so was wie einen Himmel ja wirklich, und vielleicht sehen sie mich dann dort wirklich richtig. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob zwei so negative Menschen mit meiner neuen positiven Lebenseinstellung umgehen könnten. Vielleicht kommt von daher der Begriff Hölle. Vielleicht ist die Hölle für gewisse Menschen, einfach mit glücklichen und zufriedenen Menschen konfrontiert zu werden. Wenn ich an die Reaktion meines Großvaters auf die „Vereinsgeschichten“ denke. Ein positiver Ort, mit glücklichen und hilfsbereiten Menschen. Da ist er voll auszuckt. Da hat er mir dann erklärt, dass er mich für verrückt hält, denn hilfsbereite, nette Menschen, gibt es in seinem Geiste nicht.

So gesehen wäre ein Blick auf die gesamte Menschheit, wo es auch genug Positives gibt, sicher die Hölle für ihn. Ich find den Ansatz grad total interessant. Vielleicht ist die Hölle, Menschen zu zeigen, was sie alles hätten haben können, wenn sie ein wenig ihren Horizont erweitert hätten. So nach dem Motto „Hast dir das Leben unnötig schwer gemacht. Wär auch viel einfacher und vor allem schöner gegangen.“ Ich denke darüber werd ich noch ein wenig genauer nachdenken müssen.

© Libellchen, 2011

4 Kommentare zu “Feuerprobe

  1. Kommt mir alles sehr bekannt vor! Dieses „mies machen“ und „schlecht reden“, keine Anerkennung, dafür umso mehr Geringschätzung! Tja…man wird das nicht ändern können, man kann nur darüber stehen. Zu dieser Haltung, die ganze Welt ist schlecht…ja, wenn man so der Welt gegenübertritt, darf man sich nicht viel erwarten.
    Ich habe mich schon lange von den meisten meiner Miesmacher emotional getrennt, von allen leider noch nicht…sowas braucht auch Zeit, denn zunächst sucht man Fehler immer bei sich selbst.

    Liebe Grüße,
    dreams

    • Liebe Dreams!

      Ich hab mir schon gedacht, dass dieses Problem noch vielen anderen bekannt vorkommen wird 🙂 Ich hab beschlossen drüber zu stehen, was bisher auch recht gut funktioniert hat. Nur versuche ich auch immer zu verstehen, warum die Menschen so negativ reagieren. Aber das hab ich noch nicht herausgefunden. Also bleibt mir nur das wundern.

      GlG Libellchen

  2. ich wundere mich da auch drüber.
    so eine pessimistische grundhaltung ist mir völlig fremd.
    was müssen diese menschen erlebt haben, dass sie so geworden sind?

    • Das ist eine gute Frage, doch wenn man versucht das herauszufinden, bekommt man immer nur zur Antwort „Das Leben und die Menschen sind halt so.“ Sie können oder wollen es einfach nicht erklären. Da kommst du an keine Gefühle oder Emotionen ran. Sicher sie haben den 2. Weltkrieg miterlebt, doch das haben andere auch…. Es gab da auch noch einen Todesfall in der Familie, der wahrscheinlich damit zu tun hat, aber über den reden sie auch nicht….

      Was also tun? Den Kopf hinhalten für etwas, wofür man nix kann? Hab ich jahrelang gemacht, interessiert mich heute nicht mehr!

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