Handlungsspielraum

Man kann nicht immer alles haben. Der Mensch muss sich Zeit seines Lebens zwischen verschiedenen Optionen entscheiden. Was will er? Geld, Beruf, Familie, Wohnung, Haus, Auto, Flugzeug, Liebe, Karriere, Familie, Zeit,….

Natürlich kann man mehrer Dinge verbinden, doch alles in voller Ausprägung gibt es einfach nicht. Wenn ich 5 Kinder haben, habe ich nicht soviel Zeit für mich selbst. Wenn ich Karriere mache werde ich meine Familie nicht so oft sehen, als wenn ich arbeitslos bin, usw. Der Mensch muss entscheiden was ihm wichtig ist im Leben. Immer und immer wieder.  Manche Menschen haben dabei einen großen Handlungsspielraum, bei anderen ist er eingeschränkter. Spezialisten werden dorthin gehen wo sie Arbeit finden, Rechnungsprüfer werden sich eine Firma in ihrer Nähe suchen.

Zu Schwierigkeiten kann es kommen wenn Job und Familie kollidieren. Ein gemeinsamer Bekannter vom süßen Typen und von mir, hat einen sehr engen Handlungsspielraum. Wir wollten ihn unterstützen, doch nicht jedem Menschen kann geholfen werden. Er hat einen Job, den er liebt, doch in seinem Wohnort hat er keine Möglichkeit ihn auszuüben. Er hätte zwar ein gutes Angebot, doch da würde er unter Woche nicht zu Hause sein und seine Frau besteht darauf, dass er Abends zu Hause ist. Was also tun?

Was rät man dem Skilehrer auf Kreta? Klar anderer Job oder anderer Wohnort. Da die Frau des Bekannten auch nicht bereit ist umzuziehen, hat ihm der süße Typ geraten sich eine andere Frau zu suchen. Ich hab ihm geraten sich einen neuen Job zu suchen. Er will beides nicht. Tja, dann kann ihm keiner helfen.

Vor kurzem hab ich mit dem süßen Typen über den gemeinsamen Bekannten gesprochen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es vergeudete Zeit ist, ihm helfen zu wollen. Er ist nicht bereit sich zu entscheiden was ihm wichtiger ist und für „alles“ sehen wir im Moment einfach keine Möglichkeit. „Der Handlungsspielraum ist einfach zu eng gesetzt“ fasste der süße Typ die Problematik zusammen. „Genau wie bei dir!“ Wie bei mir? Was ging ihm da jetzt bloß wieder durch den Kopf?

Ich hatte zu ihm vor einem halben Jahr gesagt „Ganz oder gar nicht.“ Mit „Ganz“ meinte ich Beziehung mit „Gar nicht“ platonische Freundschaft. Fragt sich nur was er verstanden hat. Da ich ja mittlerweile weiß dass er Angst vor zuviel Nähe hat, gehe ich davon aus, dass er sich in Ketten an die Wohnung gefesselt sah. Doch er hat mich nie gefragt was ich mit „Ganz“ gemeint habe. Und jetzt bin ich nicht mehr bereit es ihm zu erklären. Soll er glauben was er will. Ich weiß, dass mein Handlungsspielraum größer wäre, als er denkt, doch wozu sollte ich ihm das sagen? Ich nehme es hin, dass er mich missversteht. Es wird nicht das letzte Missverständnis bleiben. Die Zeiten wo mir wichtig war, dass er ganz genau weiß was ich meine, sind vorbei. Soll er glauben oder denken was er will, mich interessiert es einfach nicht mehr.

© Libellchen, 2011

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s