Erleichterung

Kennt ihr das Gefühl wenn ihr aus einem Alptraum aufwacht und merkt, dass es nur ein Traum war? Dass alles gut ist, dass ihr nicht gerade von einem Irren zerstückelt werdet, sondern ruhig in eurem Bettchen liegt und alles in Ordnung ist. Ist das nicht ein herrliches Gefühl. Von der Panik zur totalen Entspannung. Von der Angst zum Wohlfühlen in ein paar Sekunden. Ich finde die Erleichterung die ich dabei empfinde toll.

Jetzt ist das natürlich nicht nur bei Alpträumen so. Auch im wachen Zustand habe ich so Momente, wo ich total erleichtert bin, dass gewisse Sachen nicht mir passiert sind. Dass ich nur darüber lese oder höre. Dieses Mitfühlen mit anderen habe ich schon immer.

Wenn ich etwas Schreckliches sehe, höre oder lese, kann ich mich da total in die beteiligten Personen hinein versetzen. Ich kann mir die Gefühle vorstellen die sie dabei empfinden. Und ich kipp da auch schon mal richtig rein. Und wenn ich dann draufkomme, das ist nicht deines, sondern das gehört jemand anderem, dann bin ich total erleichtert und mein eigenes Leben kommt mir dann auch gleich viel lebenswerter vor.

Letztens ist es mir passiert und ich war mir dessen gar nicht bewusst. Wir waren unterwegs. 3 Menschen die sich gerne mögen und auch sehr gut verstehen. Wir haben gescherzt, geplaudert und ein wenig was getrunken. Nachdem ich schon länger keinen Alkohol konsumiert hatte, dachte ich auch dass ich einfach ein wenig traurig wegen meinem angetrunkenen Zustand war.

Aber mal ganz auf Anfang. Ich war gut drauf. Hatte mich auf meine Begleiter gefreut und war voller Vorfreude. Wir waren in einem netten Lokal und alles war gut. Wie immer haben wir auch über Dinge gesprochen die uns bewegen und plötzlich bekam ich ein Problem. Ich fühlte mich plötzlich traurig. Es ging um den süßen Typen. Nun gut, die Verbindung Alkohol und süßer Typ kann schon mal zu Melancholie führen. Ich liebe einen Mann, der mit einer anderen Frau verheiratet ist und nicht daran denkt etwas daran zu ändern. Ich weiß dass ich mit ihm abschließen muss, doch wenn ich jemanden liebe, dann dauert das halt. Doch plötzlich hatte ich ein Problem damit. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit kam in mir hoch. Auch das ist jetzt nicht unbedingt was neues, doch eigentlich ging es mir am Beginn des Abends gut und Hoffnungslosigkeit kommt meistens wenn ich alleine zu Hause bin und nicht in Gesellschaft mit netten Menschen.

Doch es ging noch weiter. Da waren noch andere Gefühle die ich noch nicht so kannte. Panik vor etwas wovor ich eigentlich keine Angst haben dürfte, weil ich weder etwas damit zu tun habe, noch verstehe worum es geht. Ich war total verwirrt. Für mich war die gute Stimmung dahin. Ich war fertig und traurig. Als ich mich abends in den Spiegel blickte hatte ich das Gefühl um 10 Jahre gealtert zu sein. Der jugendliche Leichtsinn war aus meinen Augen verschwunden.

Am nächsten Tag stand ich auf und alles war wieder beim Alten. Ich war ich und ich war gut drauf. Ich wusste noch nicht mal mehr worum es am Vorabend eigentlich gegangen war. Es war wie ein Alptraum, doch ich wusste ich hatte es wirklich erlebt. Nach dem Erschrecken kam die Erleichterung. Mir ging es gut. Die Gefühle waren nicht meine gewesen. Ein Alptraum in wachem Zustand war für mich vorüber, allerdings nur für mich.

© Libellchen, 2011

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