Weltfrauentag

Es war jetzt gerade der 100. Weltfrauentag. Na und? War so meine erste Reaktion darauf. Ich bin eine junge Frau die bereits in einer emanzipierten Welt groß geworden ist. Ich weiß zwar dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen wie Männer, doch das betrifft mich nicht, da ich im öffentlichen Dienst tätig bin und dem Bund ist es egal ob man ein Mann oder eine Frau ist. Im öffentlichen Dienst verdienen alle gleich viel. In der Privatwirtschaft ist das nicht so.

Ich weiß das zwar, doch ich habe bisher nicht darüber nachgedacht. Ich bin es gewohnt dass Frauen wenn sie heiraten ihren Namen behalten oder sogar die Männer ihren Namen annehmen. Für mich ist es selbstverständlich dass ich wählen geh. Für mich sind sehr viele Errungenschaften der so genannten „Emanzen“ selbstverständlich. Eine Emanze war für mich immer eine Art „Mann-Weib“. Woher ich das habe? Natürlich von einem Mann. Von meinem Großvater. Emanzen sind Lesben die Männer hassen. Eine Emanze ist etwas Negatives.

Nein, ist es nicht! Emanzen haben für etwas gekämpft, was selbstverständlich sein sollte. Männer und Frauen sind Menschen und sollten die gleichen Rechte haben. Wieso das nicht so ist? Ich tippe mal auf machtbesessene Männer und unterwürfige Frauen. Ich möchte mal allen Männern sagen die der Meinung sind, dass Frauen weniger wert sind als sie selber

„Ohne uns Frauen, wärt ihr gar nicht auf der Welt! Ohne eure Mutter gäbe es euch gar nicht. Also seid lieber mal dankbar und nicht so überheblich.“

Mir ist jetzt auch klar warum mein Großvater so ein Problem mit mir hat. Er ist groß geworden in einer Zeit wo der Mann noch das Oberhaupt der Familie war. Wo die Tochter nicht auf eine weiterführende Schule gehen durfte, wenn der Vater nicht zugestimmt hat. Wo die Frau die Hauspantoffeln gebracht hat, wenn das Oberhaupt nach Hause gekommen ist. Wo eine Frau erfolgreich war, wenn sie die Hochzeitsurkunde mit dem Namen des Mannes unterschrieben hat.

Und so bin ich mal gar nicht. Ich habe vor keinem Mann Respekt, nur weil er ein Mann ist. Ich kusche nicht vor dem Oberhaupt der Familie nur weil er das will. Und in seinen Augen habe ich natürlich auch versagt. Ich habe mir keinen Mann geangelt und keine 15 Kinder bekommen. Und ich bin auch nicht hilflos ohne Mann. Ich brauche kein Oberhaupt um ein gutes Leben zu führen. Das muss echt die Hölle für ihn sein.

Natürlich haben sich die Männer im Laufe der Jahre verändert. Sie haben ihre Sicht auf die Frauen ein wenig verbessert. Die Generation meines Vaters zum Beispiel, hat kein Problem wenn die Ehefrau gutes Geld verdient und sie sich schönere, bessere Urlaube leisten können. Doch wehe wenn eine Frau in ihrem Arbeitsumfeld auftaucht und dann vielleicht sogar noch ihr Chef wird. Das ist dann einfach zuviel Emanzipation. Geht doch nicht dass Frauen ihnen vor die Nase gesetzt werden. Wie soll „Mann“ denn bloß vor „Frau“ Respekt haben?

Wie wäre es wenn ihr einfach euren Chef nach seiner Leistung und nicht nach dem Geschlecht beurteilen würdet? Wenn ich einen neuen Chef bekomme und er oder sie fachlich kompetent ist, dann habe ich vor ihm oder ihr Respekt. Wenn der Chef nur heisse Luft von sich gibt, unterscheide ich ja auch nicht. Ah da kommt nur heisse Luft, aber er ist ein Mann also muss ich Respekt haben. Das ist doch totaler Blödsinn. Wieso seid ihr Männer da bloß so borniert?

Es wird Zeit dass die Männer endlich mal eines verstehen:

Frauen sind genauso Menschen, wie ihr! Wir sind gleich viel wert wie ihr!

Nicht mehr und nicht weniger. Und an dieser Stelle möchte ich mich auch noch bei allen Emanzen bedanken für alles was sie für mich getan haben.

DANKESCHÖN!

© Libellchen, 2011

5 Kommentare zu “Weltfrauentag

  1. Hallo Libellchen,

    Du bist ja schon ein bisschen geladen, hihi…

    Ich bin ein Mann, aber kein typischer – oder besser gesagt: nicht immer ein typischer. Böse (männliche) Zungen behaupten, ich wäre ein Frauenversteher – ein Attribut, das ohne Frage negativ belegt ist. Aber gut, dann ist es eben so.
    Nach einer gescheiterten Ehe und der Betrachtung dieser Zeit im Nachhinein, hätte ich mir gewünscht, schon früher ein Frauenversteher gewesen zu sein. Meine persönliche Entwicklung begann aber quasi erst mit dem Scheitern der Ehe. Ok, jetzt bin ich schlauer und deutlich reifer.

    Ich brauche keinen Weltfrauentag, Valentinstag, Muttertag oder ähnliches Gedöns. Und das wäre alles überflüssig,, wenn -und jetzt spreche ich für die Allgemeinheit- die Männer die Frauen einfach als gleichberechtigte Partner sehen würden. Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, LIEBE – und nicht Macht ausüben! Dank einer von Archetypen (vgl. C. G. Jung) Regeln und alten Rollenbildern und Verhaltensformen geprägte Erziehung der Männer kann das nämlich gar nichts werden!!

    Ich habe das überwunden und so freue ich mich über beide Geschlechter. Wäre schön, wenn das alle Männer (aber auch Frauen) könnten.

    LG,
    Steppenwolf

    • Lieber Stephan!

      Vielen Dank, dass es einen Mann gibt der das genauso sieht! Leider hab ich in letzter Zeit viele gegenteilige Erfahrungen gemacht. Da diese Erfahrung mit Männern zu tun hatten, die mir nahe stehen oder besser gestanden sind, bin ich tatsächlich etwas geladen.

      LG Libellchen

  2. hi steppenwolf, hi libellchen,
    das problem ist echt, dass es immer mehr frauen gibt, die so denken wie wir und noch immer sehr wenige männer, die das hinkriegen…

    auch mein vater ist erst jetzt am lernen, dass frauen auch selbstständig sein können. als ich noch verheiratet war, da hat er sich doch tatsächlich in „wichtigen“ angelegenheiten an meinen mann gewandt.

    ich hätte abkotzen können….
    lg kunoname

    • Hi Kunoname!

      Das ist mir Gott sei Dank erspart geblieben, da ich nie geheiratet habe. Aber jetzt wo du das hier geschrieben hast sind Erinnerungen in mir hochgekommen, dass ich das kleines Kind des öfteren mitbekommen habe. Früher war das nun mal so. Leider!

      Mein Problem ist, ich hab immer schon so gedacht, doch erst jetzt wird mir klar, dass dies nicht selbstverständlich ist. Und eigentlich ist es auch ein Wunder, dass ich so denke, denn erzogen wäre ich eigentlich anders geworden. Aber da ich ein Steinbock bin, lass ich mir da offensichtlich nix einreden 😉

      Ich wünsche dir auf jeden Falle einen einsichtigen Vater! Möge er lernen, dass er eine tolle, selbständige Tochter hat.

      LG

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