Interesse

Das Libellchen hatte sich langsam eingewöhnt in ihrem neuen Job. Aber wirklich nur langsam. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie hier wirklich glücklich werden würde. Sie war ja eigentlich nur durch einen Freund von ihr hier gelandet. Er hatte ihr die Rutsche gelegt. Derselbe Freund mit dem sie sich gleich auf einen Kaffee treffen würde. Was sollte sie ihm sagen, wenn er sie fragte, wie es ihr gefällt. Sie wußte es nicht. Doch sie hätte sich die Grübelei ersparen können.

„Hallo Libellchen! Du glaubst ja gar nicht was vorhin gerade passiert ist.“ Na das war mal ne überschwengliche Begrüßung. „Ein Arbeitskollege von mir, hat sich nach dir erkundigt. Er hat mitbekommen, daß ich dich kenne, und wollte wissen ob du einen Freund hast. Als ich ihm gesagt habe, daß du Single bist, hat er gemeint er will dich unbedingt kennen lernen! Ist das nicht toll!?“

Ein Mann interessiert sich für mich. Wieso? Eigentlich egal wieso. Ein Mann interessiert sich für mich! Na das war mal eine Überraschung. „Woher kennt mich denn dein Arbeitskollege?“ „Er hat dich in der Kantine gesehen und einmal hat er uns reden gesehen, deshalb hat er sich an mich gewandt.“ Dem Libellchen war nicht aufgefallen, dass sich jemand für sie interessierte. Doch eigentlich war das auch kein Wunder. Erstens hatte sie nicht mehr damit gerechnet und zweitens waren so viele Informationen in dem neuen Job auf sie eingeprasselt, dass sie ihre Umwelt kaum wahr genommen hatte.

„Was soll ich ihm sagen?“ Schwierige Frage. Was sollte er ihm sagen? Sie war geschmeichelt, dass sie jemanden aufgefallen war. Sie wollte ja auch eine Beziehung. Das Singledasein war echt ätzend auf Dauer. Doch so ein wildfremder Mann. Das Libellchen hatte noch nie in ihrem Leben ein sogenanntes „Kennenlerndate“ gehabt. Sie hatte Verabredungen gehabt, aber die Männer hatte sie alle schon vorher gekannt. Mit einem komplett Fremden treffen um ihn kennen zu lernen? Sie wußte ja gar nicht, was da sagen sollte.

Das Libellchen war nämlich eigentlich schüchtern. Sie hatte zwar gelernt im Laufe der Zeit sich ein Image als Powerfrau aufzubauen. Doch dies beschränkte sich auf den Job. Im Privaten war sie immer noch schüchtern. Erst wenn sie Menschen länger und näher kannte, öffnete sie sich ein wenig. Doch bei komplett fremden Menschen, neigte sie dazu zu verstummen. Also ein Date mit einem wildfremden Mann stellte sie sich recht stumm vor. Bei dem Gedanken mußte sie lächeln.

Ihr Freund sah das Lächeln und meinte sie wäre mit dem Treffen einverstanden. „Soll ich ihm deine Telefonnummer geben, oder du willst du seine?“ „Oh nein, ich weiß nicht, das geht mir viel zu schnell. Ich weiß doch noch nicht mal, wie er aussieht!“ „Und wenn wir uns zu dritt treffen?“ Der Vorschlag ihres Freundes, gefiel dem Libellchen. Ein unverfängliches Treffen zu dritt. „Ja so machen wir es. Das find ich gut.“ Da der Druck des „ersten Date“ nun von ihr genommen war, freute sie sich. Jemand ganz Neuen kennen lernen. Vielleicht hatte sie ja Glück.

© Libellchen, 2011

Ein Kommentar zu “Interesse

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