Besuch

Er hielt sie im Arm. Sie standen in ihrer Küche. Ihre Wange hatte sie auf seine Brust gelegt und er hielt sie fest im Arm. Und sie träumte nicht. Er war tatsächlich bei ihr. Sie wusste nicht wie es wieder dazu gekommen war.

Sie hatten telefoniert, über alles geredet was sie bewegte, wie ganz am Anfang. Und irgendwann hatte er sie gefragt, wann sie zu Hause war. Er wollte sie besuchen kommen. Und heute war er da.

Sie hatte die Tür geöffnet und war ganz aufgeregt, was wollte er? Sie tranken Kaffee und schauten sich in die Augen. Und auf einmal brach ein Tsunami von Gefühlen über sie herein. Gute Gefühle, schöne Gefühle.

Sie hatte aus dem Wohnzimmer ein Buch geholt, das sie ihm zeigen wollte. Da stand er auf einmal vor ihr. Sie nahmen sich in den Arm. Hielten sich fest, drückten sich und genossen die Nähe. Als hätte es das vergangene dreiviertel Jahr nicht gegeben.

So standen sie. Klammerten sich aneinander. Sie wollte ihn nicht loslassen. Wollte nicht dass diese Umarmung endete. Alle Qual war von ihr genommen. Er sah ihr in die Augen. „Es tut mir leid“ seine Stimme war fast nur ein Hauch. „Ich darf das nicht. Aber ich kann einfach nicht ohne dich.“

Ihre Lippen fanden sich. Und sie küssten sich wie nie zuvor. Spürten das Verlangen des anderen. Irgendwie fanden sie den Weg ins Schlafzimmer. Sie zogen sich aus, betrachteten ihre nackten Körper, als würden sie sich das erste Mal begegnen. Begannen sich gegenseitig zu verwöhnen und vereinigten sich.

Sie liebten sich mit einer neuen Intensität. Genossen es sich zu spüren. Sie waren wie in einem Rausch. Die Außenwelt gab es nicht mehr. Alles was zählte, waren nur sie zwei.

Die kleine Seele hob ab. Flog hinauf zur Wolke 7 und schwebte dahin. Sie nahm seine Liebe auf, seine Wärme, seine Nähe, seine Streicheleinheiten, sein Verlangen nach ihr! Sie saugte alles auf wie ein Schwamm das Wasser. Wie sehr hatte sie das vermisst. Hatte ihn vermisst. Diese wunderschönen Augen, diese zärtlichen Hände, diese sinnlichen Lippen,…

Sie liebten sich, Stunde um Stunde um Stunde. Wenn die Körper erschöpft waren, machten sie eine Pause, doch sie ließen sich dabei nicht los. Hielten sich fest, bist die Körper wieder Kraft hatten und dann ging es weiter. Die ganze Nacht, gab es nur sie zwei. Nichts anderes war mehr wichtig.

Als morgens der Wecker läutete, wusste sie dass sie ihn loslassen musste. Sie musste ihn gehen lassen. Würde er wieder kommen? War das jetzt der Schlussakt, oder ein neuer Anfang. Sie wusste es nicht, doch sie konnte ihn auch nicht fragen. Zuviel Angst hatte sie vor seiner Antwort. Sie wollte diese Nacht nicht mit ihren Zweifeln zerstören. Dass konnte sie auch noch ein anderes Mal klären.

„Was hast du bloß getan Mädchen?“ der Verstand konnte es einfach nicht verstehen. „Du warst doch schon so weit, hattest schon so viel Abstand gewonnen zu ihm. Wieso tust du dir das noch mal an?“ „Weil er mich glücklich macht“ antwortete die kleine Seele. „Hast du nicht gesehen, wie mies es mir gegangen war, als er nicht da war? Er vervollständigt mich! Bei ihm fühl ich mich angekommen. Das kann ich nicht einfach aufgeben nur weil es vernünftiger wäre! Das Libellchen war so oft vernünftig und was hat es uns gebracht? Nichts! Jetzt hab ich das sagen, gewöhn  dich lieber dran!“

„Du wirst schon noch sehen was du davon hast“ beleidigt zog sich der Verstand zurück. Ein neuer Tag war angebrochen und die kleine Seele war wieder glücklich.

© Libellchen, 2011

3 Kommentare zu “Besuch

  1. „Sie wusste es nicht, doch sie konnte ihn auch nicht fragen. Zuviel Angst hatte sie vor seiner Antwort….“ ich erleb das grad mit…meine geschichte ist zehn jahre her, vielleicht gibts bald ein wiedersehen. kannst dir denken, was mein verstand sagt. aber meine kleine seele ist so ausgehungert, fast tot, da ist ihr alles egal, nur noch mal sehen, berühren…was gebe sie drum.

    • Hey! Diese Geschichte ist ja auch schon ein wenig her. Und ich hab meinen süßen Typen die ganze Zeit über gesehen. Meine Seele hat also keine Sehnsucht, sondern ist eher genervt von ihm…. „Mein“ süßer Typ ist definitiv nichts für den Alltag. Mit ein wenig Abstand war das eigentlich offensichtlich… Aber meine kleine Seele wollte das einfach nicht wahr haben. Zu gut hat er ihr getan damals. Also, ja, ich kann dich verstehen. Und ich habe auch eine Ahnung was dein Verstand sagt. Ich kann dir aber keine Rat geben…. Das wirst du wohl ganz alleine rausfinden müssen… Nur so viel. Kleine Seele können auch von anderen Typen berührt werden… Jemand der dich vor 10 Jahren gehen lies, hatte offensichtlich keinen Grund dich zu halten? So oder so, ich wünsch dir alles Gute und vielleicht hältst du mich auf dem Laufenden wie es lief… LG

  2. „Jemand der dich vor 10 Jahren gehen lies, hatte offensichtlich keinen Grund dich zu halten?“ traurig, aber wahr. und ich weiß es. aber… „tbc“, wie es so heißt. auch ich schreibe darüber in meinem blog. ist nicht schön. keine schöne sache. vielleicht ist dein weg der richtige. ihr hatte die zeit über kontakt, du konntest dich somit abnabeln. ich hab alles hinter mir gelassen, dachte ich. es verfolgt mich noch heute.

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