Kuscheln

Die kleine Seele genoß das warme Wasser auf der Haut des Körpers, und während sie sich von den warmen Wasserstrahlen aufwärmen ließ, dachte sie über die letzten 2 Wochen nach.

Er wohnte schon seit 2 Wochen bei ihr. Eine Geschäftsreise hatte ihn in ihre Heimatstadt verschlagen und so wohnten sie seit 2 Wochen zusammen. Er hatte einen Schlüssel zu ihrer Wohnung, ihrem Heiligtum, das sie schon seit Jahren alleine bewohnte, und sie fühlte sich gut dabei. Überall lagen seine Sachen rum und die ganze Wohnung roch nach ihm.

Es war ein sehr schönes Gefühl, nach Hause zu kommen und zu wissen, daß man den Rest des Abends nicht alleine verbringen mußte. Das Geräusch des Schlüssels an der Haustür war so fremd und doch so schön zugleich. Heute als sie heimgekommen war, war er schon da. Das Gefühl erwartet zu werden, war unbeschreiblich schön.

Und doch waren die 2 Wochen nicht nur schön gewesen. In der ersten Woche teilten sie zwar das Bett miteinander, doch dabei hielten sie soviel Abstand wie schon lange nicht. Keine Berührung, gar nix.

Er strahlte auch sehr viel Distanz aus und mit jedem Tag wurde die kleine Seele unsicherer. Sie war ja eh so leicht zu verunsichern und sein Verhalten gab ihr echt Rätsel auf. Am Freitag der ersten Woche rauschte er nach Hause ab und die kleine Seele war sich nicht sicher, ob er wiederkommen würde.

Doch er kam wieder! Und in der 2. Woche war alles anders.

Sie kuschelten. Jeden Morgen, mindestens eine halbe Stunde. Und so war die kleine Seele wieder glücklich.

Sie beendete die Dusche, warf sich in ihren Pyjama und ging ins Schlafzimmer. Ihr Schlafzimmer, wo er schon auf sie wartete.

Aber was war das? Er lag auf ihrer Bettseite und hielt ihr die Bettdecke hoch. Eine eindeutige Einladung sich in seine Arme fallen zu lassen. Naja, zumindest fast. Bevor sie sich an ihn kuscheln konnte, drehte er ihr den Rücken zu. Doch er blieb auf ihrer Seite liegen und so kuschelte sie sich wie bereits gewohnt, von hinten an ihn ran.

Und auch wenn sie das schon öfters gemacht hatten, so kuschelten sie normalerweise nur Frühmorgens im „Halbschlaf“ und nicht Abends in vollem Bewußtsein, was sie da tun. Und während die kleine Seele noch darüber nachdachte, ob dies was zu bedeuten hat, und wenn ja, was dies bedeutete, bewegte sich der süße Typ.

Sie ging davon aus, daß er sich jetzt von ihr wegbewegen würde, doch er drehte sich nur auf den Rücken und streckte den Arm aus, was sie als Einladung verstand sich an ihn zu kuscheln. Das tat sie nur zu gern! Doch so sehr sie den ganzen Abend auch genoß, war sie doch verwirrt. Ihre Freundin das Herz wollte sie nicht stören. Sie himmelte gerade, mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht, ihr gegenüber an.

Heute war einer der selten Tage, wo sich das Herz des süßen Typen auch herauswagte und ihre Freundin genoß jede Sekunde, wo sie das andere Herz betrachten konnte. Da wollte die kleine Seele echt nicht stören und so beschloß sie einfach abzuwarten, was die Nacht für sie noch so bereithielt. Über all diesen Überlegungen schlief die kleine Seele glücklich ein.

Was war das, die Hand des Körpers war eingeschlafen. Der Körper bewegte sich von dem süßen Typen weg und drehte ihm den Rücken zu. Ach was solls, dachte die kleine Seele und schlief wieder ein.

Als sie das nächste Mal erwachte, blieb ihr die Luft weg. Er hielt sie in den Armen! Seine Hand lag auf ihrem Bauch und sie spürte seinen Körper an ihrem Rücken. O mein Gott! War das ein schönes Gefühl. Das allererste Mal, daß er sie berührte. Dass sie seine Hand auf ihrem Körper spürte! Die kleine Seele war auf einmal hellwach. Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Er war doch echt immer wieder für eine Überraschung gut.

Doch so schön es war sich in seiner Umarmung zu verlieren, wurde auch diese Kuschelposition nach ein paar Stunden unbequem und so drehte sie sich schweren Herzens um. Doch er bewegte sich nicht! Er blieb liegen und so kuschelte sie sich wieder an ihn.

Ihre Füße verschränkten sich und seine Hand glitt unter ihr Pyjamaleibchen, wo er ihren nackten Rücken sanft streichelte. Das war echt zuviel für die kleine Seele. Ihre Körper verknotet, seine Hand auf ihrer nackten Haut und seine Lippen nur Zentimeter von ihren entfernt.

Das Herz hatte aufgehört zu schlagen, dem Verstand hatte es die Sprache verschlagen und die kleine Seele hoffte, daß sie dieses Gefühl, das sie jetzt gerade hatte, für immer behalten durfte!

© libellchen, 2010

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